G. Romano. Palazzo del Te. 369 In dem folgenden Zimmer, der Camera delle Medaglie, ist die Decke mit Reliefdarstellungen des Thierkreises geschmückt; dazu sind in sechzehn Medaillons Scenen aus den mannichfaltigen Beschäftigungen der Menschen gefügt, Jagd, Fischfang, Schwimmen, gymnastische Spiele, Opfer, Gericht, Markt u. dgl., reich an liebenswürdigen genrehaften Zügen, bei ziemlich flüchtiger dekorativer Ausführung. In dem folgen- den Zimmer enthält die Decke ein grosses Oelbild mit dem Sturze Phai-Jtons, nach einem Entwurfe Giulio's später ausgeführt. Am Friese sieht man geistreich erfundene und zierlich in kleinen Figuren aus- geführte Kampfscenen von Centauren und Amazonen, Tritonen und mancherlei Thieren. In der darauf folgenden offenen Halle ist die Geschichte Davids dargestellt, theils in den Medaillons der Decke, theils in den vier Lünetten, wo man seine Siege, namentlich den über Goliath und sein Spiel vor Saul sieht. In der folgenden Camera degli stucchi ist nach Giuliois Entwürfen in den Stuckreliefs der Friese in, völlig klassischem, von der Trajanssäule entlehnten Stil der Triumphzug Kaiser Sigismunds dargestellt, welcher ein Jahrhundert früher das Geschlecht der Gonzaga im Besitz Mantuas bestätigt hatte. Dieser Gegenstand wurde als Kompliment für Karl V. gewählt, um von ihm bei seinem Aufenthalt in Mantua die Herzogswürde zu erlangen. In den Lünetten stellten Primaticcio und ein anderer Gehülfe Mars und Herkules dar. In dem folgenden Zimmer, der Camera de' Cesari, malte Primaticcio nach Giulio's Entwürfen sechs Kaiserbildnisse und drei historische Scenen: wie Cäsar den Befehl giebt, die bei Pompejus gefundenen Papiere der Feinde zu verbrennen; wie Alexander der Grosse die Schriften Homefs entdeckt, und wie Scipio dem Mardonius seine Gemahlin zurückgiebt. Den Abschluss dieses prachtvollen Cyklus bildet der Giganten- saal, in welchem Giulio's Talent in höchster Kühnheit gipfelt, aber zugleich durch Maasslosigkeit in wilde Entartung verfällt. Am Gewölbe blickt man in die mit meisterhafter perspektivischer Kunst gemalte ionische Saulenhalle eines grossartigen Kuppelbaues hinauf, welcher den Thron Jupiter's umschliesst. Man sieht den ganzen Olymp in Wildßßter Aufregung, Götter und Göttinnen in leidenschaftlichem Durcheinander vor dem Angriff der himmelstürmenden Giganten fliehen, oder sich zur Abwehr rüsten. Dieser Theil der Darstellung ist von erstaunlicher Kühnheit und dramatischer Gewalt. Rings an den Wänden aber ist Alles von leidenschaftlichen Kampfscenen überfluthet. Von der Höhe herab schleudert Jupiter seine Blitze unter die Riesen, die in wilder Lübke, Italien. Malerei. II. 24