Verklärung Christi auf Tabor. 351 Armen in Wunderbar leichtem Emporschweben den Blick des edlen Antlitzes nach oben wendet. Mit gewaltigem Schwung umrauscht ihn der Mantel und auch die Gewänder seiner beiden Begleiter sind in prächtiger Bewegung dargestellt. Auf dem abgeplatteten Gipfel des Berges sieht man Petrus, Jakobus und Johannes ausgestreckt liegen, geblendet von der glänzenden Erscheinung, vor welcher der eine sich niederduckt, während die andern beiden die Augen mit vorgestreckter Hand zu schützen suchen. Zwei schöne jugendliche Diakonen hat der Künstler aus irgend einem uns unbekannten Grunde seitwärts als innig bewegte Zuschauer angebracht. Unten aber füllt den Vordergrund links die Schaar der übrigen neun Jünger. In leidenschaftlicher Be- wegung umringen sie den besessenen Knaben, der auf der rechten Seite des Bildes von den Seinigen gebracht wird, und den die Apostel ver- geblich zu heilen suchen. Der unglückliche Kleine, der eben einen Anfall erleidet, wie man an den verdrehten Augen, dem geöffneten schäumenden Munde und der krampiigen Bewegung der Arme und Hände sieht, wird von seinem Vater gehalten und ist von Männern und Frauen mit dem Ausdruck lebhafter Theilnahme umringt. Mit genialem Griff hat Rafael die beiden Scenen zu einer einzigen ver- bunden, und während er unten den Jammer und die Noth des Erden- lebens schildert, zeigt er in lichter Höhe die Himmelsgestalt des Er- lösers, die alles Leid hinwegtilgt. Darauf deuten auch die Geberden der Umstehenden. Denn während eine grossartige Frauengestalt, die vom Rücken gesehen, niedergekniet ist, mit leidenschaftlicher Geberde sich gegen die Apostel wendet und mit beiden Händen auf den un- glücklichen Knaben hinweist, eine andere Frau aber, wohl die Mutter des Leidenden, mit innigem Blick um Erbarmen Heht, andere be- schwörend und bittend ihr Gesuch unterstützen, erkennt man in den Aposteln den mannichfaltigsten Ausdruck der Ergriffenheit, der Theil- nahme und zugleich der Rathlosigkeit. Der eine beugt sich weit vor und blickt mit starrem Ausdruck der Hülflosigkeit auf die Gruppe hin, ein andrer macht seine Gefährten mit ausgestreckter Hand darauf auf- merksam, wieder ein andrer (Andreas), eine der prachtvollsten Ge- stalten, im Vordergrunde links mit einem Buche sitzend, zeigt in seinen Geberden Entsetzen. Aber einer unter ihnen, der ungefähr die Mitte der Gruppe einnimmt, weist nach dem Berge hinauf und giebt den Angehörigen des Kranken die tröstliclle Zuversicht, dass droben einer weilt, von dem Hülfe kommt. Die Verbindung dieser leidenSßhaftlich erregten Scene mit der feierlichen Erscheinung, die im Himmelsglanz