von Aragonien. J ohanna Velata. Donna 341 Um hier gleich die übrigen Porträts des Meisters anzuschliessen, sei zunächst von der berühmten Johanna von Aragonien die Rede. Diese wegen ihrer Schönheit gefeierte Dame, eine Tochter Ferdinands von Aragonien, vermählt an Ascanio Colonna, wurde wie es scheint für Franz I. gemalt und in der That befindet sich das Original noch heute im Louvre. Sie ist als Kniestück dargestellt, mit einem Kleide von rothem Sammt angethan, dessen weite Aermel ein gelbseidenes Futter zeigen und über welches ein Pelz geworfen ist. Den feinen Kopf be- deckt ein rothsammtner mit Perlen und Edelsteinen geschmückter Hut, den Hintergrund bildet ein reiches Gemach. Die Haltung der Fürstin ist vornehm, der schöne Kopf fein gezeichnet und köstlich modellirt, das blonde Haar von grosser Zartheit der Ausführung, so dass diese Theile RafaePs eigne Hand verrathen. Damit stimmt auch Vasarfs Nachricht, der alles Uebrige dem Giulio Romano zuschreibt. Bei aller Schönheit nämlich athmet das Bild eine gewisse Kälte, und so pracht- voll das Ganze wirkt, so vermissen wir doch das Seelenvolle, das sonst RafaePs Schöpfungen niemals fehlt. Am wenigsten kann man die grossen steifen, wenngleich sorgfältig modellirten Hände ihm zutrauen. Von den zahlreichen alten Kopieen nennen wir die im Museum zu Berlin und in der Galerie Doria zu Rom. Dagegen ist das seelenvollste Frauenporträt, welches wir von Rafael besitzen, die sogenannte „Donna velata" der Galerie Pitti. Es ist das Brustbild einer Dame, welche Rafael bei der Magdalena auf dem Üäcilienbilde und bei der sixtinischen Madonna vorgeschwebt hat. Das seitwärts gewandte Gesicht mit den mächtigen dunklen Augen, der schön geformte Kopf, von welchem ein weisser Schleier niederwallt, der auch den rechten Arm einhüllt und nur den linken, mit einem weiten, geschlitzten Aermel bekleideten frei lässt, die edle Ruhe der Haltimg und die mächtigen Formen, welche das gelbe Mieder fast zu sprengen drohen, geben den Eindruck einer jener ächt römischen Schön- heiten grossen plastischen Stiles. Gemalt ist das Bild mit wunderbar leichtem fast durchsichtigem Farbenauftrag, das Fleisch von goldigem Ton mit duftigen perlgrauen Schatten. Endlich gehört noch hieher das köstliche Jünglingsporträt im Louvre, an poetischem Reiz der Auffassung unvergleichlich. (Fig. 83.) Rafael, der die bedeutendsten Männer so grossartig wiederzugeben wusste, hat hier einmal mit inniger Empfindung der reinsten Jugendschönheit gehuldigt. Auf die rechte Hand gestützt, in bezaubernder Selbstvergessenheit, blickt der Jüngling mit den grossen Augen träumerisch den Beschauer an. Der feine Kopf