164 Buch. IV. Kapitel. Florentiner. Die übrigen der vollkommenen Schönheit und Würde der Gestalten den edelsten Schöpfungen der goldenen Zeit ebenbürtig. Die Rothstiftstudien zum Bartholomaus bewahrt die Sammlung der Uffizien (Br. 77). Das Motiv dieser schönen Figur kehrt mit geringer Abänderung auf dem Stadthaus- bilde wieder. Ebenda (B1n1O7) der Kopf der Katharina von Alexan- drien, eine köstliche Kohlenzeichnung. Aus derselben Zeit wird das grosse Bild der Himmelfahrt Maria im Museum zu Berlin stammen, das in dem schönen Aufbau und der kraftvollen Entwicklung der Formen die freie Meisterschaft verräth. Der obere Theil scheint von Mariotto, und hier verilaoht sich im Kopfe der Madonna der edle Typus des Frate zu einer gewissen gleichgültigen Leere; dagegen sind die das Grab umstehenden Apostel von edler Lebendigkeit. Der besten Zeit Fra Bartolommeds gehört dann, wie es scheint, das Altarbild im Dom zu Besancon, welches die auf ihrem Throne von Engeln emporgetragene Madonna darstellt, unten von fünf Heiligen und dem Stifter des Bildes, Johann von Carondelet, Erzbischof von Palermo, verehrt. Auf gleicher Höhe steht sodann die h. Familie, welche unter dem Schutze der Dreieinigkeit von den zehn Patronatsheiligen der Stadt Florenz umgeben ist, in der Galerie der Uffizien, wiederum ein Bild, das in der vollendeten Grösse und köstlichen Freiheit der Composition eines Rafael würdig ist. (Fig. 31.) Für den Rathssaal des Palazzo Veochio bestimmt, blieb es unvollendet und zeigt in der braunen Untermalung, wie sehr das technische Verfahren des Künstlers durch das Vorbild Lionardo's bestimmt ward. Von der Sorgfalt, mit welcher der Künstler dieses Hauptwerk vorbereitet hat, das nebst den Schlachtbildern Lionardds und Michel- angelds den Regierungspalast seiner Vaterstadt verherrlichen sollte, giebt eine Reihe von Studienblattern in den UffizienZeugniss. Zuerst entwarf er (Br. 53) eine Zeichnung mit nackten Figuren für das ganze Bild, auf welcher freilich die oberen Theile fehlen. Man sieht die Madonna (Fig. 32) auf einem Stufenbau thronen, hinter ihr, sie etwas überragend, die h. Anna mit der Geberde innigen Flehens. Zu beiden Seiten ordnen sich in freier Gruppirung die Patrone der Stadt; an den Füssen des Thrones sitzen zwei musizirende Engel; der kleine Johannes aber schreitet die Stufen hinauf und wird von dem Christuskinde mit lebhafter Freude empfangen. Zur Madonna hat der Frate sodann eine Reihe von herrlichen Rothstiftzeichnungen nach dem nackten Modell entworfen, indem er dieselbe sich bald nach rechts, bald nach links