Sixtina. der Decke Propheten und Sibyllen. 109 das Kinn, von welchem der mächtige Bart über die Brust herabiiiesst. Auch hier sind zwei begleitende Gestalten, eine männliche und eine weib- liche angebracht, um die Stimmung der Hauptfigur leise ausklingen zu lassen. Die persische Sibylle nimmt den folgenden Platz ein. Es ist eine Greisin, deren grossartige Formen von Schleier, Mantel und Gewand völlig umhüllt sind. Der Faltenwurf verräth den Meister plastischer Gestaltung. Mit angestrengter Aufmerksamkeit liest sie in einem J oremias, v4 zlangek Buche, das sie mit beiden Händen dem Gesichte ganz nahe bringt. Die begleitenden Kinderfiguren sind wie von lautloser Stille gebannt. Im Gegensatz dazu ist Ezechiel, die folgende Figur, in lebhafter Er- regung dargestellt. Das scharf markirte Gesicht mit dem vollen Bart im Profil zeigend, scheint er sich mit einer Frage an seine Nachbarin zu wenden. Die rechte Hand vor sich hinstreckend, begleitet er lebendig diesen Gestus, während die Linke eine halb geöffnete Schriftrolle hält. Auch hier spiegeln die beigegebenen Kinder diese Stimmung. Dann folgt die erythräische Sibylle (Fig. 21), eine Gestalt von ernster jugend-