554 Buch. Frührenaissance. Werkstatt jenes Meisters sich der Auffassung desselben nach Kräften angeschlossen und ihn bei Ausführung seiner zahlreichen Aufträge unterstützt. Als Schüler Bellini's bezeichnet er sich wieder auf einem kleinen Bildchen der thronenden Madonna mit S. Sebastian und An- tonius vom Jahr 1506 in der Galerie zu Bergamo, welches schöne Färbung, aber etwas bäuerliche Typen zeigt. lVom Jahr 1512 besitzt die Brera zu Mailand ein Bild des betenden Christus in Gethsemane, ein grosses Altarstück von 1515 sieht man in S. Spirito zu Bergam o. Es ist ein thronender Johannes d. T., von" vier einzelnen Heiligen um- geben, in der dem Bellini geläufigen Auffassung, grossartiger, kräftiger und feierlicher als gewöhnlich, namentlich der tief ernste Kopf des Johannes von bedeutendem Ausdruck, dabei eine schöne in hellem Ton durchgeführte Landschaft. Tüchtig ist auch in kraftvoller Färbung das Altarbild mit dem thronenden Sigismund in S. Sigismondo daselbst. Von 1524 besitzt der Dom einen thronenden Benedict zwischen zwei Heiligen, und die Sakristei von S. Alessandro ebendort einen Gekreu- zigten mit Maria und Johannes aus demselben Jahre. Ausser mehreren Bildern der dortigen Galerie nennen wir als eins seiner letzten Bilder das grosse Altarwerk in S. Spirito vom Jahr 1525, die thronende Madonna. zwischen vier weiblichen Heiligen darstellend, darüber den auferstehenden Christus, ebenfalls von vier Heiligen umgeben. Die Madonna erscheint trotz einer gewissen Befangenheit liebenswürdig mild, Christus selbst aber auffallend steif und hölzern, das Ganze ohne Zweifel ein Beweis sinkender Kraft. Im folgenden Jahre 1528 starb der Künstler zu Bergamo an der Pest. Ein noch näheres Verhältniss zu Giovanni Bellini scheint Pier Francesco Bissolo gehabt zu haben, angeblich aus Treviso gebürtig, aber in Venedig bei dem grossen Meister ausgebildet, dem er sich so sehr anschloss, dass er vielleicht mehr als irgend ein anderer der zahl- reichen Schüler den Stil desselben nachahmte und ihm bei seinen vielen Arbeiten zur Hand ging. Es ist kein Zweifel, dass manche von seinen Arbeiten unter dem Namen Bellini's Viele getäuscht haben mögen, und auf dieses Verhältniss scheint der Künstler, wie man nicht ohne Grund anzunehmen geneigt ist (Crowe und Cavalcaselle), selbst ein paar Mal scherzweise angespielt zu haben, da er sich namentlich auf einer Ma- donna mit vier Heiligen im Museum zu Berlin als "Petrus de ingannatis" bezeichnet, welches man wohl nicht anders als den "Petrus der Ge- täuschten" deuten kann. Denn dieses Bild, etwas unbedeutend in den Charakteren, weich und warm in der Färbung, zeigt jene dauere, fast