452 Buch. Die Frührenaissance. C lichen Geltung kommt, Noch im Jahr 1515 konnte der Meister ein so gediegenes und bedeutendes Werk schaffen, wie die Pietät in der Galerie zu Turin, und selbst die aus dem gleichen Jahr stammende Madonna mit dem Christuskinde und dem kleinen Johannes, von vier Heiligen verehrt, in der Galerie zu Parma bezeugt eine fast noch ungebrochene Kraft, wenngleich nicht ganz dieselbe Vollendung. Neben dieser fast ausschliesslich auf kirchliche Aufgaben gerich- teten Thätigkeit ist Francia als einer der bedeutendsten Bildnissmaler der Zeit zu bezeichnen. Herrlich ist der jugendliche, etwas melancho- lische Kopf im Louvre, der lange Zeit dem Rafael zugeschrieben wurde und durch die schlichte Strenge der Auffassung, durch die glut- volle Energie des tiefbraunen Kolorits, das leuchtende Helldunkel wundersam ergreift. Auch das schöne männliche Brustbild in der Galerie Liechtenstein zu Wien, welches man lange ebenfalls dem Rafael zu- geschrieben hat, deutet eher auf Francia's Hand. Sodann gehört ihm das meisterhafte Porträt des Vangelista Scappi in den Uffizien; das