Kapitel. Die VOII Schule Umbrien. 439 Domenico della Rovere zuerst in einer Kapelle von Sta. Maria del Pop olo (erste rechts) ein Freskobild der Geburt Christi aus, in der Anordnung, welche das am Boden liegende Kind von Maria, Joseph, einem Engel und dem knieenden Stifter verehrt darstellt, Es ist ein Bild voll Anmuth und Würde, in freundlicher Landschaft bei harmo- nischer Färbung. Pilaster und Bogen mit vergoldeten Ornamenten bilden die Einrahmung. In den Bogenfeldern sieht man Scenen aus dem Leben des h. Hieronymus, dem die Kapelle geweiht ist. Für dieselbe Familie malte er zum Andenken an den 1483 verstorbenen Giovanni della Rovere die dritte Kapelle in derselben Kirche. In den fünf Bogenfeldern des polygonen Raumes sieht man Scenen aus der Geschichte der Madonna, am Gewölbe Arabesken, welche Mcdaillons mit Brustbildern von Propheten einschliessen, an der Wand links eine Darstellung der Himmelfahrt Maria, eine reichbewegte Composition, im Bogenfeld über dem Grabmal den todten Christus von zwei Engeln gehalten, ein edles ausdrucksvolles Werk, über dem Altar endlich ebenfalls ein Fresko der thronenden Madonna mit Heiligen, an den untern Wandfeldern grau in grau gemalte Marterscenen. Das Ganze ist von ebenso würdigem als reichem Eindruck. Die bedeutendste Arbeit des Künstlers in dieser Kirche sind aber die Fresken am Chor- gewölbe, wiederum für Giuliano della Rovere ausgeführt. (Fig. 132.) In den unteren Theilen der vier Gewölbzwickel hat er in schönen Renaissance-Tabernakeln die vier Kirchenvater angebracht, im Mittel- punkt des Gewölbes ein grosses Rundbild der Krönung Maria, im weiten Kreise von kleineren Rundbildern mit den I-Ialbfiguren der Evangelisten umgeben. Zwischen diesen sparte er längliche Felder aus mit den liegenden Gestalten von vier Sibyllen; das Ganze fasste er in Rahmen und Gesimse, die nach Art der sogenannten Grottesken die ganze Fabelwelt der Antike in den Dienst einer ebenso üppigen, als anmuthigen Ornamentik ziehen. Nachdem bis dahin die antike Plastik die Dekoration der Renaissance ausschliesslich beherrscht hatte, war dies das erste Mal, dass die antike Malerei in ihrer köstlichen Formen- und Farbensprache Einliuss auf die moderne Kunst gewann. Der dekorative Reiz dieser von Gold und lebhaften Farben strahlenden Decke gehört zum Schönsten ihrer Art. Auch auf diesem Gebiet sollte später Rafael in seinen Loggien die höchste Vollendung bringen. Von den Wandgemalden, welche er für Innocenz VIII. in dem neuerbauten Palast des Belvedere ausgeführt hat, sowie von manchen andern gleichzeitigen römischen Arbeiten, ebenso von einigen im Dom