Kapitel. Umbrisch-toskanische Schule. 397 Heiligen Clara und Franziskus, Antonius und Johannes des Täufers. Hier erinnert der derbe Realismus in den Charakteren und der male- rischen Durchführung am meisten an Castagno, während die alterthüm- liche Eintheilung und Sonderung an die Gewohnheiten der sienesischen Schule gemahnt. Es fehlt die freie Lebendigkeit der wechselseitigen Beziehungen, Welche die Florentiner längst für solche Altargruppen eingeführt hatten. Auch ein kleines Tafelbild der Akademie zu Vene- dig, bezeichnet „Petri de Burgo sancti sepulcri opus", welchgg den h. Hieronymus von einem vor ihm Knieenden verehrt darstellt, Wiederum von meisterhafter Feinheit der Durchbildung, gehört hieher. Die In- schrift scheint auf eine Entstehung in Perugia („Augusta Perusiaa) hinzudeuten. Im Jahre 1469 erhielt Piero den Auftrag von der Bruderschaft Corpus domini zu Ürbino, ihnen ein Altarbild zu malen, Wobei die Reisekosten ihm durch Giovanni Santi, den Vater RafaePs, ersetzt Wurden. Dieser nahm den berühmten Maler gastfreundlich auf und setzte demselben in seiner Reimchronik ein Ehrendenkmal. Ob jener Auftrag zur Ausführung kam, wissen wir nicht. Aber der grosse Feldherr und Staatsmann Herzog Federigo von Ürbino, damals auf dem Gipfel seiner Macht und voll Eifer für grossartige künstlerische Unternehmungen, die er durch den Bau seines noch vorhandenen Pa- lastes einleitete, zog sofort den ausgezeichneten Künstler in seine Dienste. Zunächst liess er von ihm eine Geisselung Christi ausführen. Dies Bild, das man in der Sakristei des Domes sieht und das den Namen des "Künstlers trägt, wird auf das grausige Schicksal Oddan- tonio's von Montefeltro bezogen, der mit seinen Gefährten unter den Knitteln ausgesandter Meuchelmörder üel. Die Bildnisse Oddantonids, Federigds und ihres Vaters Guidobaldo will man in der Gruppe von Zuschauern ausserhalb der prachtvollen Sälulenhalle erkennen, in die der Künstler die Scene verlegt hat. Auch hier zeigt sich wieder die architektonische und perspektivische Meisterschaft Piero's in ihrer Vollendung; nicht minder vollkommen ist die köStliehe Feinheit der Zeichnung und des durchsichtig klaren Kolorits. Merkwürdig als Beweis seiner grossen Vorliebe für architektonische Darstellungen ist sodann noch ein Bild in S. Chiara, welches nur einen zweistöckigen Rundtempel mit anstossenden Gebäuden verführt: eine jener zahlreichen Variationen über das Lieblingsthema der Renaissance, den centralen Kuppelbau. Noch interessanter ist ein anderes für den Herzog aus- geführtes Werk, jetzt in den Üfiizien zu Florenz: das Doppelbildniss