368 II. Buch. Frührenaissance. Die sehr nahe. Das Kolorit ist tief, ernst und harmonisch, in den Fleisch- tönen warm und klar, besonders bei dem energisch gemalten Hierony- mus, die Landschaft voll poetischer Stimmung. Die Predella mit der Darstellung einer Pieta zeigt zierliche Feinheit der Ausführung. Eben- dort eine Anbetung der Könige, von einer bemalten Truhe stammend, aus seiner späteren Zeit; ferner aus dem Jahre 1492 ein kleines Bild mit der Glorie des h. Franziskus von zartester Empfindung und miniatur- hafter Ausführung. Mehreres im Museum zu Berlin: das Beste ein Christus am Kreuze, von Maria und Franziskus verehrt (Nr. 96), kräftig und tief in Ausdruck und Farbe; eine Madonna mit dem Kinde (Nr. 82) von feiner Empfindung, aber in der Zeichnung zum Theil schon manierirt; eine andre Madonna (Nr. 101) ist zwar kräftig im Ton, aber nicht hervorragend; das Rundbild der Madonna endlich (Nr. 1134) wird ihm fälschlich beigelegt. Dagegen verräth das Brustbild eines jungen Mannes (Nr. 78) trotz der Uebermalung sich als ein tüchtiges Werk des Meisters. Von den Lebensverhältnissen Filippinds wissen wir, dass er sich 1497 verheirathete. und mit seiner Frau Margherita einen Sohn Fran- cesco hatte. Filippino stand in hohem Ansehen; bei allen bedeutenden künstlerischen Unternehmungen der Zeit finden wir ihn betheiligt; 1491 lieferte er einen Entwurf zur Facade des Doms; 1496 gehörte er zu den Sachverständigen bei Abschätzung von Baldovinettfs Fresko in Sta. Trinita; zwei Jahre später wurde er zu der Berathung wegen Wiederherstellung der durch den Blitz zerstörten Laterne der Dom- kuppel zugezogen; endlich 1503 nahm er an den Berathungen für die Aufstellung von Michelangelds David Theil. Er starb, noch nicht sechsundvierzig Jahre alt, 1504 an Diphtheritis und wurde in S. Micchele unter allgemeiner Theilnahme bestattet. Vasari, der sein freundliches, liebevolles Wesen höchlich rühmt, erzählt, dass während seiner Beer- digung alle Läden in der Via de' Servi geschlossen waren, was sonst nur bei Begräbnissen von Fürsten zu geschehen pflege. Schon als Filippino 1488 nach Rom ging, hatte er sein Testament gemacht, in welchem er seine Mutter Lucrezia Buti als Üniversalerbin einsetzte, mit Ausnahme seines Hauses in Prato, das seine Schwester Alessandra erhielt. Ein Künstler von völlig entgegengesetzter Art ist Lorenzo cli Oredi, 1459 als Sohn des Goldschmiede Andrea di Credi geboren und zuerst bei seinem Vater in dessen Werkstatt herangebildet. Gleich so vielen Malern jener Zeit ging auch er also aus jener kunstgewerblichen