344 Buch. Die Frührenaissance. damalige florentinische Kunst so reich ist. Eine bedeutende Versamm- lung gespannt aufhorchender Zuhörer finden wir in der Predigt des Johannes, obwohl hier die Hauptgestalt wie eine Anzahl der Neben- iiguren Wieder etwas dürftiger in Form und Durchbildung erscheinen. Bei der Taufe Christi ist der Vorgang selbst weihevoll geschildert, und in den Nebenfiguren, die sich zur Taufe vorbereiten, hat der Künstler, wie in der Christusgestalt, sein gediegenes Verständniss des Nackten, des menschlichen Organismus in Form und Bewegung be- kundet. Die Landschaft ist durch steil aufragende Felsen gegliedert, zwischen welchen der Blick in lieblich angebaute Thalgründe fällt. Bedeutend ist die Gruppe des in den Wolken zwischen anbetenden Engeln erscheinenden Gottvaters. Beim Gastmahl des Herodes, welches das ganze Bogenfeld füllt, fällt der Blick in eine grossartige drei- schiffige Renaissancehalle, das Vorbild der herrlichen Bogenhallen der Schule von Athen. Dadurch erhält die Scene den Eindruck vornehmer Pracht und Festlichkeit. In freier Anordnung sind an drei hufeisen- förmig gestellten Tischen die Gäste vertheilt. Die ilorentinischen Damen in ihrem zierlichen Kopfputz, idie stattlichen Männer in faltenreichen Talaren, die Jünglinge in der knapp anliegenden Modetracht geben ein lebendiges Bild der Zeit. Es fehlt auch nicht an einem Zwerge, der damaligen Hofhaltungen unerlässlich war. Die tanzende Salome war eine Aufgabe, die der Künstler nicht in voller Freiheit zu lösen vermochte; es isteeine Figur, die mit den gezwnngenen Bewegungen und den bauschenden Gewändern an Bronzeguss erinnert. Auch der knieende Diener mit derrLHaupte des Taufers ist nicht frei von Härten in Form und Bewegung. Das Ganze aber macht einen grossartig festlichen Eindruck. Die Evangelisten an den Gewölben gehören zu den geringeren Arbeiten; es war nicht mehr die Zeit, die solchen Aufgaben ein Interesse zuwandte. Man begreift vor diesem grossartigen Cyelus, der mit erstaun- licher technischer Sicherheit behandelt ist, das Wort Ghirlandajds: "Jetzt, da ich die Art dieser Kunst kennen gelernt habe, bedaure ich, dass man mir nicht die ganze Stadtmauer von Florenz mit Historien zu bemalen übertragen hat." Tornabuoni war höchlich befriedigt von diesen bedeutenden Werken, durch die er seine und seiner Familie Unsterblichkeit verbürgt sah. Als es aber an's Bezahlen ging, wurde ihm die ausbedungene Summe doch etwas zu schwer. Ghirlandajo sollte zu dem Preise von 1200 Dukaten für das Ganze, noch 200 als Extrabelohnung erhalten, wenn man zufrieden sein würde. Tornabuoni