328 I1. Buch. Frührenaissance. Die und Kelterns der Trauben mit allen dazu gehörigen Episoden, wie sie reizvoller nicht zu denken. (Fig. 102.) Stattliche Jünglinge, anmuthige Jungfrauen, heitere Kinderschaaren beleben die Scene, prachtvolle Paläste mit Arkaden und Loggien, Gärten mit Cypressen, Palmen und Orangen geben ein Bild von der reichen florentinischen Landschaft. Bei der Schilderung von Noah's Trunkenheit sieht man die berühmte Frauengestalt, die zum Schein mit der Hand das Gesicht bedeckt, um durch die Finger vorwitzig nach dem daliegenden Noah zu schauen („la vergognosa di Pisa"). Aehnlicher Reichthum in Wahrhaft überschwenglicher Weise zeich- net alle übrigen Compositionen aus, freilich in einer Verschwendung genrehafter Motive, dass darunter das Wesentliche der Vorgänge zum N ebensächlichen herabgesetzt wird. So in der Verfluchung Hanfs, wo die zahlreichen Gruppen spielender Kinder, modisch geputzter Jünglinge und Jungfrauen und mannigfaltige Thierscenen das Interesse fast ganz in Anspruch nehmen, an sich freilich wieder ein Ganzes von heiterster Lebensfülle. Der Thurmbau von Babel bietet dann wieder ihm Gelegenheit, nicht bloss in dem dichten Gewühl Zuschauender eine Anzahl bedeutender Portratgestalten, darunter Cosmo de' Medici und andre Berühmtheiten der Zeit vorzuführen, sondern in dem Ge- tümmel vor und auf dem Baugerüst eine bis in's Kleinste gehende Schilderung des rührigen Treibens auf einem Bauplatze zu geben. In dem fabelhaft reichen architektonischen Hintergründe sind alle möglichen Reminiscenzen zusammengedrängt, von der Trajanssaule bis zum Thurm des Palazzo vecchio. Aehnliches gilt von dem Bilde, wo der Götzen- dienst des Baal geschildert wird, und wo so recht die phantastische Willkür hervortritt, mit welcher Benozzo seine Architekturen behandelt. Dann führt er Abraham und Lot in Aegypten vor, in köstlicher Landschaft mit genrehaften Scenen, trefflichen Pferden und Hunden und Schilderung des Hirtenlebens. Man erkennt hier so recht wieder, welch ein Meister der Thierdarstellung Benozzo ist. Eine Scene wilden Kampfgetümmels sieht man sodann in Abrahams Schlacht, reich an lebensvollen Einzelzügen, das Ganze aber doch etwas wirr und über- laden. Dagegen bietet das Bild, welches Abraham und Hagar, dann die Züchtigung der letzteren durch Sarah, ihre Flucht, die Erscheinung der Engel vor Abraham und ihre Bewirthung enthält, einen Reichthum an edlen Gestalten. Der Patriarch, den man nicht weniger als fünfmal in den verschiedenen Scenen auftreten sieht, ist eine Gestalt voll Würde; die Engel erinnern an Benozzo's beste Inspirationen. Wirr und über-