304 Buch. Frührenaissance. Die Berlin befindliche, mit der Bezeichnung "Frater Philippus" versehene Tafel, welche die Madonna darstellt, wie sie das in Blumen gebettete neugeborene Kind verehrt. Mit dem süssen Ausdruck demüthiger Ergebung faltet sie die Hände und kann die Augen von dem holden Wunder der Natur nicht abwenden, das mit den goldigen Löckchen und den süss lächelnden Zügen wie von rosigem Licht strahlend da- liegt und nach" Kinderart die Händchen an die Lippen führt. Rings ein dichter Wald, der mit geheimnissvoller Dämmerung die Gestalten umfangt, so dass alles Licht von dem Kinde auszugehen scheint. Zur Rechten steht der kleine Johannes-mit dem Kreuz, von oben schaut wie ein wohlwollender Vater, die Arme ausbreitend, Gott selbst herab, und lässt. die Taube des h. Geistes niederschweben, während im Hinter- grunde der h. Bernhard anbetend kniet. Es ist eine köstlich poetische Idylle, von einer Feinheit der Empfindung, wie sie die Kunstgeschichte selten aufweist. Denselben Gegenstand mit geringen Varianten hat Fra Filippo noch mehrmals behandelt. So in einer ganz ähnlichen Darstellung, Welche aus dem Camaldulenserkloster in die Sammlung der Akademie von Florenz gekommen ist (Saal der kleinen Bilder Nr. 26), an Liebreiz dem Berliner Bilde verwandt. Ebendort ein Bild aus dem Annalenenkloster, das einen Zusatz von mehreren Heiligen zeigt, die Madonna etwas dürftig in den Formen, der h. Joseph wunder- lich im Ausdruck, die Erhaltung des Bildes etwas mangelhaft (ebenda Nr. 12). Verwandter Art ist das schöne Bild im Louvre, das von grosser Innigkeit der Empfindung zeugt, die Madonna ganz Demuth und Zartheit, das rosige Kindchen wie gewöhnlich an den Händchen saugend, die Modellirung des Kopfes und der Hände der Madonna meisterlich, die Färbung tief, warm und harmonisch, nur die Landschaft etwas hart, ohne Lilftton. In andern Bildern, wo es galt, die Himmels- königin in aller Herrlichkeit zu schildern, steht dem Künstler eine solche Fülle strahlender Anmuth und Holdseligkeit zu Gebote, dass er darin nur von Fiesole übertroffen wird. Freilich ist die Anmuth seiner Gestalten eine mehr weltlich heitere, die sich in den jubelnden Engeln selbst in's Schalkhafte verliert, so dass er zuerst den naiven Zauber der vollen Jugendschönheit und Kindlichkeit in die Kunst ein- geführt hat. Das herrlichste Bild dieser Art ist das im Jahre 1441 Afür den bedeutenden Preis von 1200 florentinischen Liren im Auftrage der Nonnen von St. Ambrogio ausgeführte Altarbild der Krönung Maria, jetzt in der Sammlung der Akademie (Galerie der grossen Gemälde Nr. 41). Die Madonna thront hier, von einer Schaar ver-