282 Buch. Die Frührenaissance. erfüllten. Wir haben lauter einfache bildnissartige Aktfiguren vor uns, die wohl durch treuherzigen Ernst, zum Theil auch durch gemüthvolle Innigkeit ansprechen, aber nichts Hinreissendes haben. Eine gewisse kühle Nüchternheit liegt über dem Ganzen. Auch die architektonische Umgebung, die Nischenwand mit dem schlichten Thron der Madonna bietet nur das knapp Nothwendige, nicht die Pracht der gothischen Throne, noch auch die dekorative Fülle der entwickeltem Renaissance. Alles das giebt dem {Werke das Gepräge einer gewissen primitiven Herbigkeit. Die beiden weiblichen Heiligen zeigen das naive Gesicht mit dem Stumpfnäschen, wie es sich bei Botticelli und Filippino Lippi findet; die Madonna ist von bedeutenderem aber nicht eben schönerem Typus; die männlichen Heiligen sind von sehr realistischer völlig porträtmässiger Erscheinung, aber voll Ernst und Innigkeit. Sehr gelungen ist das Christkind, eins der anmuthigsten jener Zeit. Die kräftige Zeichnung und die Modellirung mit grünlichen Schattentönen erinnern am meisten an Castagno. Ebendort sieht fman unter Nr. 44 einen fälschlich dem Fra Filippo zugeschriebenen h. Hieronymus, scharf und selbst hart in der Modellirung, fast wie ein Verrocchio, aber kälter und trüber im Ton. Die beiden Tafeln Nr. 37 und 39 mit einer Magdalena und Johannes dem Täufer verrathen ebenfalls eine bis zur Uebertreibung gehende Schärfe der Zeichnung, sind dabei aber von Wärmerem Colorit. Im Museum zu Berlin sieht man unter Nr. 1055 eine Maria, die den Leichnam Christi auf ihrem Schoosse hält, ein ebenfalls strenges, nicht unbedeutendes Bild, herb im Ausdrucke, scharf in der Modellirung. Roh und handwerklich dagegen ist ebendort ein h. Hieronymus (Nr. 1139), den man wohl kaum dem Castagno zu- trauen darf. Mehrfach finden wir auch Castagno mit der Darstellung von profanen Gegenständen beschäftigt. S0 wurde ihm 1435 von der Re- gierung der Auftrag zu Theil, die hingerichteten Anführer der Peruzzi und Albizzi im Bargello gleichsam zum ewigen Schandgedachtniss an die Wand zu malen. Er erhielt davon den Beinamen Andreino degli Impiccati d. h. der Galgenvögel-Andreas. Ebendort sieht man eine Anzahl von Fresken aus der Villa Carducci zu Legnaia, für welche er eine Reihe von Helden, Dichtern, sowie berühmter Frauen des Alterthums, Esther, Tomyris und die Sibylle von Cumae gemalt hatte. Es sind Gestalten von mächtigem Lebensgefühl und kühner Gewalt in Bewegung und Charakteristik. Etwas von der stürmischen Be- geisterung jener Zeit für grosse Persönlichkeiten spricht sich in ihnen