232 Buch. Die Frührenaissance. Erbtheil italienischer Gesittung, der mit dem Ruhmsinn der Renaissance zusammenfloss und jene Welt von Monumenten hervorgerufen hat, WGlChO die Bewunderung noch der spätesten Geschlechter sein wird. WVas die Architekten, Bildhauer und Maler, begeistert von der neu entdeckten Herrlichkeit der Antike, zu schaffen vermochten, erhielt durch ihn lebendige Pflege. Aber mit demselben Eifer begünstigte er das vielseitige wissenschaftliche Streben der Zeit, und seine weiten kaufmännischen Weltverbindungen, die bis in den fernen Norden und in den Orient reichten, benutzte er zur Herbeischaffung von Hand- schriften antiker Autoren, besoldete reichlich gelehrte Abschreiber und begründete dadurch die Bibliothek von S. Marco, die erste öffentliche Büchersammlung der neuen Zeit. Und zugleich berief er Lehrer, belohnte Kritiker und Dichter, ermunterte die Schriftsteller, und be- gründete jene platonische Akademie, welche im Gegensatze zu der vertrockneten Gelehrsamkeit der mittelalterlichen Universitäten, die freie Wissenschaft des Humanismus pflegen sollte. Ebenso legte er im Garten von San Marco die erste moderne Kunstsammlung an, in- dem er antike Statuen, Büsten, Reliefs, zusammenbrachte und den jungen Künstlern zum Studium zugänglich machte. Dort hat ein Michelangelo die ersten Eindrücke antiker Kunst empfangen. Als sein Sohn, der kränkliche Piero bald nach dem Vater gestorben war (1469), trat Cosimds jugendlicher Enkel, Lorenzo der Erlauchte, in die Fuss- stapfen des Grossvaters und setzte in demselben edlen Sinne die hohen Bestrebungen seines Hauses fort. Durch die ersten Humanisten der Zeit erzogen, nahm er thätigen Antheil auch an den literarischen Bestrebungen, ja seine Sonette, Tanzlieder, Canzonen gehören zu den besten poetischen Leistungen der Zeit. Die öffentlichen Kunstunter- nehmungen fanden auch an ihm lebendige Förderung; man berechnete damals, dass die Medici in wenig mehr als dreissig Jahren für Bauten, Almosen und andre öffentliche Zwecke mehr als 663,000 Goldgulden ausgegeben hatten, eine für jene Zeit ungeheure Summe. Neben dieser Reihe ernster charaktervoller Männer sollte es aber der neuen Bewegung auch nicht an einer Anzahl genial übermüthiger, leicht- fertiger, ja vielfach nichtsnutziger Elemente fehlen, die in ihrer auf's Aeusserste getriebenen Eitelkeit, Anmassung und Frechheit die Fahne des Humanismus mit dem Makel inhumaner Gesinnung bedeckten. Dahill gehört vor Allem Poggio, den man trotz seiner grossen Verdienste um Auffindung und Verbreitung der klassischen Schriftsteller mit Recht einen literarischen Gassenbuben genannt hat, der aber trotzdem vierzig