Kapitel Epoche. Gothische 173 den Kasteiungen und den unter göttlichem Beistand errungenen Siegen über die Dämoncnwelt in gemüthlicher Weise geschildert wird. Von einer Composition in höherem Sinne ist dabei nicht die Rede, da viel- mehr die ganze Darstellung in eine Anzahl von Episoden zerfällt. Von den Tafelbildern des Meisters ist das in der kleinen Kapelle von S. Ansano beiSiena vom Jahre 1329 das älteste. Es enthält die thronende Madonna neben St. Nicolaus und Antonius, in zartem lichtem Ton durchgeführt und in feierlicher Haltung. Ganz im Charakter der sienesischen Schule ist das Fürstliche der Erscheinung besonders be- tont und die vier Lilien-haltenden Engel, welche hinter dem Throne erscheinen, verstärken" den Eindruck eines fürstlichen Hofstaats. Das Streben nach Vornehmheit spricht sich auch hier ganz im Charakter der Schule durch die überschlanken Figuren, die langen schmalen Hände und Finger, die enggeschlitzten Augen aus. Nur bei dem Christ- kinde durchbricht ein Zug naiver Lebenslust die feierliche Würde. In den Uftizien zu Florenz sieht man wiederum eine thronende Ma- donna des Meisters von 1340, ebenfalls von vier Engeln umgeben, ein Bild von etwas kräftigeren Formen; sodann von 1342 eine anziehende Geburt der Maria in der Sakristei des Domes von Siena, ein Bild von fast Horentinischer Lebendigkeit. Der jüngere Bruder iälnzbvrogio ist ohne Frage der bedeutendere von beiden, eine tiefsinnige und poetische Natur, dabei von anziehender Weichheit und zugleich voll Hoheit im Ausdruck. iVon seinen Lebens- verhältnissen wissen wir nicht viel; die früheste Nachricht datirt von 1324, und die letzte von 1345. Möglich, dass beide Brüder von der grossen Pest des Jahres 1348, Welcher der fünfte Theil der Einwohner zum Opfer fiel, hingerafft wurden. Seine frühesten Arbeiten scheinen Wandgemälde in S. Franeesco zu Siena gewesen zu sein, die 1331 ausgeführt wurden und wegen ihrer Lebendigkeit und des Reiehthums an poetischen Zügen, mit welchen sie den Lebenslauf eines Franziskaner- mönchs schilderten, die Bewunderung der Zeitgenossen erregten. Nur geringe Reste sind davon erhalten. Von einem Altarbilde, welcheser 1342 für Florenz malte, finden sich ebenfalls nur geringe Reste in der Sammlung der Akademie daselbst. Es schildert die Darstellung im Tempel mit einefgewissen ernsten Feierlichkeit und in überaus warmer, zart verschmolzener Färbung; den Hintergrund bildet ein grosser achteckiger Kuppelbati, offenbar unter Einfluss der Domkuppel Arnolfo's. Die bedeutendsten Werke Ambrogids sind die. ausgedehnten