von 122 Epoche 10 bis 1420. 39 der Weise der damaligen Zeit gehalten, und geben uns ein sehr lebendiges und geistreiches Bild von diesen. Der schöne, sehr jugendliche Kopf des Alexander bei seinem Begräbniss hat etwas Poetisches. Wie lange sich aber auch noch in einzelnen Fällen die solide Behandlung in Guasch und das Farbengefühl mit der neuen YVeise mischten, beweist ein um 1300 verfasstes lilanuscript eines Psalte- riums in derselben Bibliothek (No. 8070). Dabei ist die Feder darin mit einer gewissen Breite und grosser Freiheit geführt, und die Köpfe öfter von vielem Ausdruck. In der Auffassung von manchen Thieren findet sich eine überraschende Wahrheit und ver- schiedene scherzhafte Vorstellungen sind so ergötzlich, dass (iarin schon Teniers und Jan Steen vorspuken. Ein besonders ausgezeichnetes Zeugniss von dem Stande der Malerei in den Niederlanden gegen Ende dieses Abschnitts geben die Miniaturen, welche, nach einer darin enthaltenen Inschrift, Michiel van der Borch im Jahr 1332 in einem Manuscript der Bibel in tlamändischen Reimen von Jacob van Maerland im Westre- nischen Museum im Haag ausgeführt hat. 1 Die Motive der Figuren sind sehr sprechend und dramatisch. So ist in der Darstellung der Schöpfungstage bei der Erschaffung der Eva der Schlaf des Adam sehr wahr ausgedrückt, die Eva sehr hübsch. Dabei sind die For- men öfter von überraschender Fülle, z. B. an den Kindern bei Er- tränkung der Erstgeburt in Aegypten. Die Falten der Gewänder sind von ungewöhnlicher Breite. In der Darstellung der Geburt Christi kündigt sich schon die realistische Auffassung an, worin die Niederländer allen andern Nationen vorangehen sollten. Von Wandgemälden hat sich aus dieser Epoche wenigstens eins in Belgien zu Gent in dem vormaligen Refectorium des alten Bi- loque Hospital erhalten. Es stellt, in lebensgrossen Figuren, den thronenden Chrisims dar, welcher der, gegen ihm iiberwsitzenden, die erhobenen Hände zusammenlegenden Maria den Segen ertheilt. Hinter ihnen, in viel kleinerem Maassstabe, drei Engel, welche einen Teppich halten. Das Ganze ist von einer Einfassung von einer gothischen, sehr häufig gebrauchten Form umschlossen. Nach der schon ganz ausgebildeten Kunstweise unserer Epoche möchte die Ausfühnmg nicht früher als gegen das Jahr 1300 fallen. Sowohl 1 Ausführliches darüber in einem Aufsatz von mir im Deutschen Kunstbl. von 135-2. N0. 2a.