422 Sechstes Buch. Abtheilung. Erßer Abfchnitt. den Grafen Thomas Arundel, feine Gemahlin, ihren Zwerg Robin mit dem Falken auf der Fauft und den grofsen weifsen Hund darftellt, dem die Gräfin ihre rechte Hand auf den Kopf legt; und gleichzeitig eines feiner mächtigften Anwjgmen Altarblätter, die grofse vKreuzigung Chriftir des Antwerpener Mufeums; hier ift fchon die Anordnung eigenartig; die drei Kreuze des Heilandes und der Schächer find perfpektivifch fchräg bildeinwärts geftellt. Links hält Longinus hoch zu Roffe und durchbohrt, gewaltig ausholend, die Seite des Herrn mit der Lanze. Magdalena, die den Kreuzesftamm umfchlungen hält, fireckt ab- wehrend die Hände gegen den Krieger aus. Maria ringt rechts vorn, fchmerz- lich gen Himmel blickend, die Hände; Johannes aber birgt fein Haupt an ihrer Schulter. Auch die Darftellungen der vAusgiefsung des heiligen Geifiesr und in München, der iGeburt Chriftir, jetzt in der Münchener Pinakothek, und das fchon 1607 befiellte Altarblatt, welches ein Wunder des hl. Ignatius darftellt, in der Capelle i" Genuß-diefes Heiligen bei S. Ambrogio zu Genua, wurden 1620 fertig. Begonnen gieeäilfueizgäf aber wurden um diefe Zeit die 39 grofsen Gemälde für die Jefuitenkirche zu Antwerpen, welche die gröfsefite und grofsartigfte zufammenhängende Folge bildeten, welche je aus der Werkfiatt des Meifiers hervorgegangen ift. In der freieften und genialften Weife componirt, unter ftarker Betheiligung von Schülerhänden, aber unter nicht minder Harker Betheiligung des Meifters felbft ausgeführt, zeigten fie, was Rubens" Werkfiatt in gemeinfamer Arbeit auf dem Höhenpunkte ihrer Entwicklung zu leiPcen vermochte. Leider müffen wir fagen, f1e wzeigtenr es. Denn bei -dem Brande der Jefuitenkirche am 18. Juni 1718 wurden weitaus die meiften diefer Darftellungen ein Raub der Flammen. Nur vier von ihnen find erhalten: die einzelne überlebensgrofse Geftalt des d" Fßlge- hl. Ignatius in Warwick Caftle, die beiden gewaltigen Prachtgemälde, welche den hl. Franz Xaverius, in Indien Wunder wirkend, und den hl. Ignatius Loyola, Befeffene heilend, darfiellen, fowie die grofse vHimmelfahrt Mariaer , alle drei hläläftirges in der kaiferlichen Galerie zu Wien. Die wHimmelfahrt Mariaer kann im Wefentlichen als eigenhändiges Bild des Meifters gelten und ift das fchönfte Exemplar diefer vom Meifter oft veränderten und wiederholten Darftelltlng, der fich übrigens fchon bald das Exemplar des Brüfieler Mufeums anreihte, während die fchöne wHimmelfahrt Mariaea in der Kathedrale zu Antwerpen, der {ich wiederum das Exemplar der Düffeldorfer Akademie anreiht, erft einige Jahre fpäter entftand. 5313;: Wir können den Ueberblick über Rubens Thätigkeit während der zwölf "onföif: biSJahre von 1610-1621 aber nicht fchliefsen, ohne, theilweife zurückgreifend, noch an einige Gemälde zu erinnern, die im Allgemeinen diefem Zeitraum zu- gefchrieben werden müffen, ohne dafs fich das Jahr ihrer Entftehung genau Affggßaggjf" angeben liefse. Von altteftamentlichen Gegenftänden feien die grofse Dar- nenwgem Prellung vDaniels in der Löwengruber aus der Hamilton-Sammlung und das kleine, aber frifche und feine Bildchen der Münchener Pinakothek genannt, welches darftellt, wie Simfon, vom Lager der Delila auffpringend, feiner Haare beraubt, in die Hände der ihn nunmehr leicht überwältigenden Philifter fallt. Von 3235123121; neuteftamentlichen Schöpfungen diefer Jahre feien noch hervorgehoben: die vVer- Bude" kündigungr in der kaiferlichen Galerie zu Wien, das wAbendmahla in der Brera zu Mailand, vPetrus mit dem Fifcha in der Dubliner Galerie, der ergreifende bchfift