288 Buch. Sechstes Abfchnitt. Zweiter Knaben den Grindkopf reinigt, bildet die Mitte des Bildes. Vornehme Frauen gehn ihr zur Hand. Armes, elendes Volk wartet, bis es an die Reihe kommt. Diefes technifch meifterhaft ausgeführte Bild packt zuerft durch feinen großartigen Realismus, der auch vor unfchönen Einzelheiten nicht zurückfchreckt, dann aber durch den Adel feiner Compofition und vor allen Dingen durch die vornehme geiflige Stimmung, die Murillo hier, von dem ganzen Zauber feiner ruhigen Farbenharmonie unterftützt, über die fchlichte, ja an fich unäfthetifche Handlung Billälsiniiräer auszubreiten verftanden hat. Aufserdem befinden fich drei kleinere Altarbilder uCaridadu. noch heute in der wCaridadi felbft. In den folgenden Jahren, bis 16761), entftanden dann Murillds wunderbar läälfsilfizg- herrliche Gemälde in dem Kapuzinerklofter von Sevilla. Es waren zwanzig llfliäizrisnirl- und einige Bilder, welche fich bis zum Einfall der Franzofen im Jahre 1810 Sevilla- an ihrem urfprünglichen Platze befanden, dann nach ihrer Rückkehr von Gi- braltar, wohin fie geflüchtet worden waren, verfchiedene Schickfale hatten. äjlugäflll; Heute laffen {ich neunzehn von ihnen wieder nachweifen, fiebzehn im Mufeum nachweisbar: von Sevilla, deffen Hauptruhm {ie ausmachen; denn gerade unter diefen fiebzehn Bildern befinden fich eine Reihe der Schöpfungen Murillds, an Welche wir zuerft denken, wenn wir uns die Gluth der Glaubensinbrunft, die finnliche Ueppigkeit der religiöfen Myftik und das duftige Helldunkel der Himmels- erfcheinungen, welche ihm zu Gebote ftanden, vergegenwärtigen. Der Schutz- iigfhiendlii; engel, welcher ein Kind an der Hand führt, jetzt in der Kathedrale zu Sevilla, zu Sevilla, und vdie Porciuncular, d. h. die Darftellung des am Altar knieenden heil. Fran- ciscus, dem der Heiland und feine Mutter erfcheinen, während Engel Rofen eins in Pfau, auf ihn herabftreuen, jetzt im Befitze der Erben des Infanten Don Sebaftian zu Pau, find die beiden Bilder diefes Cyklus, welche man aufserhalb des Mufeums von Sevilla auffuchen mufs. Bei den fiebzehn Bildern diefer Sammlung, welche Serum: aus dem Kapuzinerklofter fiammen, müffen wir noch einen Augenblick ver- weilen. Hinter dem Hochaltar der Klofterkirche befand {ich die fchöne, auf dem Halbmond ftehende, verklärt gen Himmel blickende Jungfrau, zu deren Füfsen fich cifcjggin ein befonders reiches Spiel von Englein entfaltet. Einer derfelben führt einen dieYerReihe- Palmenzweig, zwei halten einen runden Spiegel, ein vierter trägt Rofen, andere fpielen mit einem Schleier. Wie fiets in den WCOUCCPtiOUCHa, trägt die Jungfrau hier einen blauen Mantel über lichtweifsem Gewande. Von den Bildern, aus denen der Retablo des Hochaltars zufammengefetzt war das Mittelftück war das fchon erwähnte Porciuncula-Bild zeichnen {ich noch die Darftellungen Jfgl-lfgir des Täufers in der Wüfie und des hl. Jofeph mit dem Chriftusknaben aus dfgfäigäl; Unter den acht grofsen Altarblättern, welche das Hauptfchiff der Kirche cdgsciigäts. fchmückten, gehören d1e Darftellungen der zweiten i-Concepciom mit dem aiiliiglsälgün- Drachen zu Füfsen der Jungfrau, der Verkündigung, der Pietas und der An- der Hirten, fo charakterifhfch und anziehend auch fie find, doch eben (i; innig? nicht zu den packendften Leiftungen des Meifters. 1m höchften Grade aber Cltirn feffeln uns die vier anderen. Die Darftellung des an feinem Betpulte deliiniläriil- knieenden hl. Antonius, welcher mit dem linken Arm in fchwärmerifcher Liebe das Jefusknäblein umarmt, das fich aus dem oben jubelnden Engelreigen herab- Curtix