216 Buch. Sechstes Erfier Abfchnitt. des oben genannten Aurelio Lomi, deffen Schüler er war, übrigens ein phantafti- fcher Meifter, der {ich in Rom an den oben (S. 163-164) genannten Landfchafter Ag. Taft] anfchlofs und demfelben die Figuren für feine Darftellungen im Quirinal, im Pal. Rospigliofl u. f. w. malte, fpäter aber in Oberitalien arbeitete und fchliefslich nach England ging, wo er z. B. in Greenwich und in Londoner Paläften malte und wo er auch {ein Leben befchlofs und {eine Tochter Artßmzßa Gentilesclzi (1590-1642), welche lange in Neapel anfafüg war, aber auch eine Zeitlang in England lebte und {ich befonders im Porträtfache aus- zeichnete. Der Pal. Pitti in Florenz beützt aufser einem tüchtigen weiblichen Bildniffe mit den Attributen der Maria Magdalena, zwei Darftellungen der Judith mit dem Haupte des Holofernes von ihrer Hand. Artemifla Gentilefchi. Die übrigen Schulen Oberitaliens. Die Malerei Rom. lgemeines- In allen oberitalienifchen Städten, welche {ich in den früheren Jahrhun- derten als Kunfiftätten bemerkbar gemacht hatten, blühten auch im fiebzehnten Jahrhundert noch Meifter, welche fich mit mehr oder weniger Gefchick an die von Bologna, Rom und Neapel ausgehenden Strömungen anfchloffen. Die meiften von ihnen erheben fich jedoch nicht zu einer fo felbftändigen Be- deutung, dafs die allgemeine Gefchichte der Malerei fich veranlafst fehen könnte, fie der Localforfchung, welche fie faft überall an's Licht gezogen hat, ftreitig zu machen. Wir können daher nur auf die verhältnifsmäfsig wenigen diefer Meifter eingehen, deren Bilder auch heute noch aufserhalb ihrer Heimath als galeriefähig angefehen werden. Modena Eines Meiflers von eigenartiger Bedeutung erfreut fich zunächft Modena. Scläääini Barl. Sclzßdoni (Sckizlarze) 2) ift fein Name. Sein Geburtsjahr ift unbekannt. Malvaf1a3) nennt ihn kurz unter den Carracci-Schülern. Ob er aber wirklich Sein sm. in Bologna gelernt hat, ift zweifelhaft. Sein Stil erfcheint vielmehr als eine felbftändige Aneignung und Modernifirung der Art Correggids, verquickt mit Formenerinnerungen an die römifche Schule und mit naturalifiifchen Tendenzen, wie fie in der Zeit lagen. Seine Typen find ftreng und rein gemeint, oft aber oberHächlich und leer in der Durchbildung, feine Compofltionen find ge- fchickt abgerundet, aber arm an Erfindung, wenn {ie auch nmnchmal durch gute Anpaffung an den landfchaftlichen Hintergrund einen gewiffen malerifchen Reiz efhalten, feine Pinfelführung ift flott und entfchloffen, aber oft auch fahrig und nachläfflg; das eigentliche poetifche Leben feiner Darftellungen liegt in feiner Farbengebtlng. Befonders auf diefem Gebiete erfcheint er als Nach- ahmer Correggiols: mit den fcharf einfallenden Lichtern treibt er ein an- muthiges Helldunkelfpiel, manchmal ohne den blühenden Lßcglfarben {einer Gewänder zu nahe zu treten, manchmal aber freilich auch mit einer Hin- neigung zu bräunlicher Tonmalerei. Doch erfcheint fein Helldunkel gegenüber Allgemeines. I) Vgl. Hor. Waqbak Anecdotes of painmting in England. Neue Ausg. London 1372, p. ISS. 2) Lui Vedfl-ani, Vite de! pittori etc, Modeneü, Modena 1662, p, 108 B". Gir. Timäosclzi, Notizia de' pittori etc. natii degli Stati del Duca di Modena. Modena 1786, -p. 315-321. 3) Felünu pittrice, Bologna 1678, I. p. 531.