italienifche Malerei Jahrhunderts. Carracci. Befuch am Strande des Tiber. Ludovico aber entfchuldigte flch fofort mit feinen Arbeiten, die ihn in Bologna fefthielten, und empfahl Annibale und Agoftino zur Ausführung des grofs geplanten Werkes. Agoitino wurde nach Rom berufen; Ludovico kehrte nach Bologna zurück; die beiden Brüder fahen {ich allein der Riefenarbeit gegenüber und begannen fie mit rüfligen Kräften; aber ihre Einigkeit dauerte nur einige Jahre. Annibale war eiferfüchtig und eigenwillig. Er fetzte es durch, dafs Agoftino, nachdem er einige der fchönften Gemälde des Palazzo Farnefe gefchaffen, die Arbeit im Stich liefs und Rom für immer den Rücken kehrte. Das mufs ungefähr 1600 gewefen fein; zwei Jahre darauf kehrte Ludovico noch einmal auf einige Tage nach Rom zurück, befichtigte die Schöpfung feiner Vettern und malte felblt einen der grofsen Atlanten in der Decoration, liefs Annibale, den jetzt jedoch fchon Schüler unterftützten, dann aber das Werk felbftandig zu Ende führen. Um 1607 oder 16081) war es vollendet. Der Hauptraum, den Annibale, Agoftino und ihre Schüler im Palazzo Farnefe mit Fresken gefchmückt, ift die von Giacomo della Porta erbaute grofse Galerie; aber ein Zimmer neben diefer Galerie, gigkizffeliäg welches gleichzeitig in Angriff genommen wurde, enthielt ebenfalls einen Fresken- cyklus von eigenartiger Schönheit. 2) Die Hauptbilder diefes kleinen, reich decorirten Zimmers führen uns Scenen aus dem Heraklesmythos vor; die vier Lünetten ftellen Odyffeus und die Sirenen, Odyffeus und Kirke, Perfeus und die Medufe und Amphinomos und Anapos, im Begriffe, ihre Eltern vor dem Ausbruch des Aetna zu retten 3), dar. Die fchönPren Compofitionen zeigen das Kirkebild, deffen anmuthige Abrundung auf Agoftino hinweift, und das Sirenen- bild, deffen kraftvolle Behandlung der Ruderer des Schiffes Annibalds Eigen- thum fein wird. In dem Freskenfchmuck der grofsen Halle (Galleria) des 1121311513;- Palazzo Farnefe aber feiert die decorativ-monumentale Kunft an der Schwelle PahFamefe. des fxebzehnten Jahrhunderts noch einmal Triumphe, die an ihre goldene Cinquecentozeit erinnern. Freilich gehören zunächfl die reichen, mehr oder weniger monochromatifch gemalten, architektonifch-decorativen Beitandtheile des Werkes, gehören die eigentlichen Architekturglieder, aber auch die mächtigen cgälriiglferälllß- Hermenatlanten, welche die Gelimfe fiützen, die Riefenjünglinge, welche als Füllfiguren die Deckenmedaillons umfpielen oder, an einige Hauptbilder ge- lehnt, dem auf diefen dargeftellten Göttertreiben halbverfchämt zuzufchauen fcheinen, die kräftigen Amorettenpaare in den Ecken, die Pcarken Balluftraden, welche die Gefammtdarftellung über dem Kranzgefimfe der Architektur ein- fafsen, die üppigen Fruchtfchnüre, welche die Medaillons und Bilder umrahmen, die faltenreichen Tücher, Welche üe oder die Füllfiguren drapiren, die Masken und Mufcheln, welche unter den Ornamenten eine Hauptrolle fpielen, ent- fchieden der barock gewordenen Architektur-Empfindung ihrer eigenen Zeit an I) Vgl. Malzzaßa a. a. O. p. 437 und p. 435 mit unten Anm. 2. In der Regel wird die Vollendung zu früh angefetzt. 2) Stichwerke von Petr. Aquila: nImagines Farnefiani Cubiculi etc.u und von N. MignaMQ DES letzteren Stiche tragen die jahreszahl 1637 und geben als Jahre der V0llendung der Bilder 1607 und 1608 an. Da diefe Stiche zu den älteften Quellen über die Bilder gehören, fQ verdienen die Daten in Verbindung mit Malvaßzfs Angaben (oben Anm. I) volle Beriicküchtigung. 3) Vgl. Slraban: Erdbefchreibuxig VI, 269.