ERSTER ABSCHNITT. Die nieder1ändische Malerei des Jahrhunderts. ; er Realismus, die individuelle Auffassung und das wahrhaft malerische Gefühl treten zuerst in einem Theile des germanischen Gebietes hervor, Ä der in dem deutschen Reiche längst eine Sonderstellung einnahm, in len Niederlanden. Die Bewohner des Flachlandes, das sich nördlich von Franks Niedcs1sudO. seich nach der Nordsee erstreckt, sind gr0ssentheils niederdeutschen Stammes, loch mit fränkischen Elementen und mit romanisirten Kelten durchsetzt. In Jolitischer Beziehung war das Gebiet vielfach getheilt. Stand Flandern unter ranzös1scher Lehnshoheit, so gehörten die übrigen Theile zun1 deutschen Reiche, 1nd zwar theils, wie Brabant, zum Herzogthun1 Lothringen, theils, wie die 1ördlic11en Provinzen, zu Friesland. Aber das Gemeinsame in Sprache, Sitte 1nd Charakter bildete sich immer stärker heraus, die politische Abhängigkeit vurde schwächer, und da die Herzöge von Burgund, ein FLirstenhaus französ ifchen Stammes, seit I385 in einem Theile, nach und nach in dem ganzen Eebiete La11desherren wurden, stellte ein staatlicher Zusammenhang, verbuns ISn mit politischer Unabhängigkeit gegen Deutschland und Frankreich und nit voller Selbständigkeit des Städtelebens, sich her. Der niederdeutfche Dias ekt hatte sich nach und nach zu einer eigenen Sprache entwickelt, während n einzelnen Districten auch Französisch geredet ward, das sich dann auch als Sprache des Hofes behauptete. Längst hatten auch schon französ1sche Eies nente auf Cultur, Sitte, Dichtung und äussere Lebensformen Einfluss geübt. Die Bevölkerung war ein kräftiges, Zähes Geschlecht, an ernste Arbeit gewöhnt, In Kampfe mit den Elementen erprobt, in seinen Bestrebungen auf das Praks .ische gerichtet. Bei aller Derbheit war es weicher Empfindung fähig, bei iller Beciächtigkeit voll starker Freiheitsliebe und lebensfroh bis zum Sinns ichen. Mit deutscher Tüchtigkeit und Gemuthstiefe besass es zugleich etwas Ton französischer Beweglichkeit, Formbegabung und Präcis1on. In Handel und Jewerbe waren die füdlichen Provinzen früher entwickelt, und vor allem stans Fell die flandrischen Städte in hoher Blute. Der durch Arbeit begründete Reichthum weckte hier den Sinn für Lebensgenuss, und in der Folge WukdC die Neigung zu Behagen, ja Ueppigkeit des Daseins, zu Stattlichkeit und PkLMk les Auftretens noch durch den Wetteifer des wohlhabenden, freien Bürgers 3hU111s mit dem glänzenden Hofe gesteigert.