476 Zweites B den illuminirten Handfchriften von Rechtsbüchern werden viele der Bolognefer Schule angehören 1). Neben grofsen Chorbüchern jener Zeit, unter denen wir noch die aus S. Francesco in Pifa, jetzt in der Akademie, hervorheben Wollen, {ind auch die Handfchriften der neueren grofsen Dichter und Schriftfteller Italiens, des ycglgäriäriDante, des Petrarca, wichtig. Unter den illuftrirten Codices der göttlichen Comödie, ift aber trotz ihrer grofsen Zahl felten ein künftlerifch bedeutender 2). Eine italienifche Handfchrift von Petrarca's römifcher Gefchichte in der Biblio- thek zu Darmitadt (Nr. IOI), aus dem fpäteren I4. ]ahrhundert, verfucht in den flüchtigen erzählenden Vignetten eine anfchauliche Darftellung im Giotto? fchen Stile und enthält in dem Titelblatte mit dem Autor ein wirkliches Kunft- Werk. Das Studierzirnmer Petrarca's ift von forgfältigfter räumlicher Durch- bildung bei ziemlich gelungener Beobachtung der Perfpective, fein Kopf hat einen völlig individuellen Charakter. Mitunter gewähren die Miniaturen künfterifche Zeugniffe für eine Gegend, Sicilien. aus der fonft Monumente fehlen, fo für Sicilien die Parifer Handfchrift der Statuten des Ordens vom heiligen Geifte, gegründet 1352 durch König Ludwig von Sicilien und Jerufalem 3). Der von Giotto begründete Stil zeigt fich auch hier, wenngleich etwas abgefchwacht, in mäfsig bewegten Geftalten mit blaffem Fleifchton, matt geftimmten Farben und gut componirten Rand- verzierungen. ß Itirlienifche Italienifche Illuminatoren wurden damals auch öfter von der franzöfifchen iiihiirizirigäh? Bücherliebhaberei in Anfpruch genommen. Den wichtigflen Beleg hiefür DfZi-iälgn. bildet eine Bible historiee mit franzöfifchen Erklärungen in Paris 4), in welcher Anfangs jedem Bilde aus dem Alten Teftamente ein fymbolifches Bild auf derfelben Seite zu entfprechen pflegt, und dann die einfache Erzählung der Marienlegende und des Neuen Teftamentes folgt. Mehrere Hände fmd an den Bildern betheiligt, die erfte, der das Alte Teftament angehört, iit fran- 'zöf1fch; auch die Architektur entfpricht der nordifchen Gothik. Von der Marienlegende (Fol. 113) beginnt ein anderer Stil. Die bette Hand, die zuerft auf B1. 132 verso, bei der Reife von Maria und jofeph nach Bethlehem, eintritt, weiterhin einzelne Bilder und von B1. 178 verso (Kreuzigung) faft alles Ucbrige gefchaffen hat, gehört einem trefflichen italienifchen Meifter an. Waagen dachte hier an Simone Marizäzi und feinen Aufenthalt in Avignon, und jedenfalls ift die Verwandtfchaft mit der Schule von Siena unverkennbar. Die fchlankcn Geftalten in wohlftudirtem Faltenwurf und mit zarter Neigung des Hauptes I) So wahrfcheinlicll die Concordanliae Canonicae und das Liber Dccrctaliunx der Nationalbibliothek in NeapeLXII A. l u. 2, und die Digesta in der Nationalbibliothek zu 'l'urin, E I I. 2) Laurentiana, Florenz, Badia Cod. IX. Nr. 204. Brit. Mufeum, Addit. MSS. 19587. Stuttgart, öff. B. Poet. et Philol. f01_ I9. lllorlenu, Eftenflfche Bibliothek. Neapel bib. naz. Nr. 26. Fragment, dilettantifche Federzeichnungen fafl auf jeder Seite. Venedig, Marciana C1. IX, Cod. CCLXXVI, 213 Bilder ohne eine Spur von florentinifchem Eintlufs, kurze, ungefuhickte Figuren, leere Köpfe, Fabrikarbeit, auch in ornamentaler Beziehung dürftig. Paris, Bib. nnt. Itnl. 73, 1403 von Paula di Ducria Tqß von Pifa für Francesco Petrucci in Siena gefchrieben. 3) Bib. nat. Frangais 4274 Text franzöüfch: Institution de l'ordre du Saint Esprit pur le Roy Louis de Sicile et de Jerufaleln en X352. 4') Bib. nat. frangais 9561.