Das fpäte Mittelalter. Italien. 413 Wir wiffen jetzt, dafs diefer Bericht nur eine Combination ift, dafs von einer Thätigkeit griechifcher Künftler in Pifa und Florenz damals fchwerlich die Rede fein konnte, dafs überhaupt das Auftreten byzantinifcher Künftler in Italien ein loeal und zeitlich eng begrenztes gewefen war, dafs aber aller- dings durch directe und indirecte Einwirkungen eine byzantinifche Manier fich dffjfijzzfläiltg in Italien feftgefetzt hatte. Diefe dauerte noch fort, obwohl die ausübenden 4326331 Künftler Italiener waren, und die Auseinanderfetzung mit ihr bildet den erften Schritt zu einer neuen Entwickelung. Vafari beginnt feine Biographien mit dem Florentiner Gio-zuznni Cizzznbzze, Cimahue. ihm zufolge I24o geboren. Aber noch eine ältere Quelle beftätigt, dafs Vafari diefem die rechte Stelle angewiefen: Dante, der ihn als den Vorläufer Giotto's erwähnt und dadurch feinem älteften anonymen Commentator vom Jahre 1334, den bereits Vafari citirt, Gelegenheit zu einer Bemerkung über Cimabuds Berühmtheit und Ehrgeiz gibt. Er übte die Tafel- und Wandmalerei wie die Mofaik. Seine erhaltenen Hauptwerke, die nur von Vafari als folche genannt, nicht urkundlich oder durch Infchriften beglaubigt find, beftehen in drei grofsen Madonnenbildern mit Goldgrund auf Holz. Das berühmtefie ift dasjenige der Capella de' Rucellai in Santa Maria Novella zu Florenz. Maria Florenz. thront, das Kind im Schofse, feitwärts knieen fechs Engel, an den Thron fich Kuli-Eli? haltend, kleiner im Mafsfiabe, ftreng fymmetrifch und flächenhaft, einer über dem anderen, angeordnet. Marias Kopf ift alterthümlich typifeh, mit langer Nafe, gefchlitzten Augen, auffallend kleiner Bildung von Mund und Kinn und leifer Neigung. In den Händen mit langen, dünnen Fingern wie in den Füfsen des Kindes ift die Naturkenntnifs fehr mäfsig; die Füfse Marias ver- fchwinden völlig unter der Gewandung, die conventionell doch nicht ohne Schwung angeordnet ift und unten in gefuchte, fpitzzipfelige Motive verläuft. Aber das Ganze wirkt durch milde Feierlichkeit, durch den Aus- druck holder Verehrung in den Engeln und den Verfuch einer naiven Be- wegung im Kinde (Fig. I2o).1) Die Farben find einfach und heiter geftimmt, klar im Fleifche. Die byzantinifche Manier ift nicht überwunden, fondern durch eine dem Cimabue im Unterfchiede von Niccola Pifano eigene Hin- neigung zum gothifchen Gefchmack in Haltung, Kopfneigung, Ausdruck, Ge- wandung und durch vereinzelte fchüchterne Griffe in das Leben nur leife modificirt. Die beiden anderen Bilder, die flark gelitten haben, lind ganz ähnlich com- Louvre. ponirt, das im Louvre, einft in S. Francesco zu Pifa, hat noch die Medaillons von 24 Heiligen am Rahmen, das aus S. Trinita in Florenz, jetzt in der dor- Älinäeilz, tigen Akademie, zeigt jederfeits nicht drei, fondern vier Engel und unten die n 6mm Bruflbilder von vier Propheten. Cimabuds Thätigkeit in der Wandmalerei haben wir in Affifi aufzufuchen, Affiii, das für die italienifche Kunftgefchichte damals eine der wichtigfien Stätten Wimmulder ward. Zwei Jahre nach dem Tode des heiligen Franz von Affifi (i- 1226) wurde in feinem Geburtsort, auf der öden Richtftätte aufserhalb der Stadt, die er zu feinem Ruheplatze erkoren, die Grab- und Kloflerkirche begonnen, die das erfte nachweisbare Denkmal des gothifchen Stiles in Italien ift, und L Ag inmurl, Tzlf. 108; Roßni,