Die byzantinifche Malerei. 231 ruhige Linien. Sie gewähren eine Fülle von Auffchlüffen über die byzan- tinifche Ikonographie, deren uralte Tradition noch in den neueren Erzeug- niffen fortwaltet. Viele der dortigen Bilder zeigen aber auch Ptarken abend- ländifchen Einilufs; die koloffalen Heiligengeftalten in der Kirche zu Karyes am Oliabhange des Berges, nach den Infchriften aus dem I4. Jahrhundert, erinnern an damalige Italiener, befonders Sienefen. In der Folge wurden mit- unter fogar abendlandifche Kupferftiche, zum Beifpiel Blätter von lVlarcanton, benutzt 1). Neben denjenigen Gattungen der Malerei, die in unmittelbarenl Zufammen- um- hange mit dem Bauwerke ftehen und feine Mauern und Wölbungen fchmücken, "ulerei wird das Tafelbild als bewegliches Gemälde ausgebildet. Die byzantinifchen Arbeiten diefer Gattung find außerordentlich zahlreich; in Kirchen, in Samm- lungen des Abendlandes kommen fre vor. Eine gröfsere Anzahl folcher Producte bewahrt namentlich das chriitliche Mufeum im Vatican, einige Arbeiten diefer Art findet man auch im Berliner Mufeum. Das Meifte gehört erfl der Zeit nach dem II. Jahrhundert an und wurde grofsentheils für den Export gearbeitet oder auch im Abendlande felbft von byzantinifchen Hand- werkern fabricirt. Dahin gehören zahlreiche lVladonnenbilder, namentlich die an verfchieclenen Orten befindlichen, welche die Mythe der Hand des Evan- geliflen Lucas zufchreibt, ferner Darftellungen von einzelnen Heiligen, Bilder aus der Paffion, legendarifche Scenen. Gewöhnlich tritt in diefen Producten der fpätbyzantinifche Charakter in feiner ganzen afketifchen Starrheit, oft ab- fchreckend, zu Tage. Das Bindemittel ifl dicht, harzig und gibt den Bildern einen gelblichen Hauptton, den ein zäher Firnifs noch Pteigert, und der durch Nachdunkeln in den Fleifchpartien mit der Zeit in das Bräunliche geht, fowie eine glatte, glänzende Oberfläche. Der Auftrag ift fcharf und geftrichelt, der Grund flets golden. Ein durch Umfang und Ausführung hervorragendes Bild der vaticanifchen Sammlung, auch um des Gegenfiandes und der Bezeichnung willen bemerkenswerth, iPc die Darftellung des Lebens der Anachoreten mit dem Tode des heiligen Ephrem als Hauptgegenftand von Evmznuel Ykzzzgjfurnarz", aus dem II. Jahrhundert 3). Neben echten Bildern diefer Gattung fleht man aber auch zahlreiche Fälfchungen, welche der gläubigen Andacht zu Hilfe kamen und ihr Heiligenbilder in diefem alterthümelnden Stile mit mehr oder minder Nachahmungsgefchick lieferten. Ihren Refultaten nach könnte man auch die Kunfl des Email der Malerei EjnaiL anfchliefsen, denn fre flellt eine Umrifszeichnung in Metall her, welche (ie mit Flächen in farbigem Glasfluffe füllt; aber ihrer Technik nach gehört fie dem Kunfthandwerk an und wird im Zufammenhang mit der Goldfchmiedekunfl betrieben. Sie ift nur eine Imitation der Malerei in einem anderen technifchen Verfahren, und da ihre Producte in Stil und Gegenftänden kaum etwas Ergän- zendes liefern, dürfen wir von ihrer läerüeklichtigung hier abfehen. I) 7. P. Riclzler, Abendliindifche Malerei und Plaflik in den Ländern des Orients, Zeitfchrift f. bilil. Kunfl, XIII, S. 205. Der Louvre enthält eine Aquarellenfolge von Papcty (Dessins 1215- 1226) nach Heiligengeßalten aus dem Klofier Lavra, die aber zu fahr in den Stil der IngresTchen SChüle überfetzt fcheinen, um ein Urtheil zu geflatten. Proben bei Louazzdre, arts somptilaires. z) Aginrourt, Taf. 82. In Plzztnnr, Bzmfm etc.: nBefchreibung der Stadt Romu, Stuttgart und Tübingen, 1830 --1842, II. 2. S. 375, iindet man die byzantinifchcn Bilder im Vatican gewürdigt