Miniaturmalerei. Die altchriüliche 139 Ein folcher trat mit dem Ausbruch des Bilderftreites zu Anfang des Bilclerftreit. 8. Jahrhunderts ein. Die älteften Chriften mochten in dem Bewufstfein Gott im Geift und in der Wahrheit ainzubeten das götzendienerifche I-Ieidenthum verachten; aber feit der Sieg des neuen Glaubens entfchieden war, hatten im Chriflenthum felbft die heidnifchen Elemente immer gröfseren Spielraum ge- wonnen, und wenn die Völker des Islam, die feit dem 7. Jahrhundert dem chrifllichen Weltreiche gegenübertraten, den Chriften den Vorwurf des Götzen- dienftes entgegenfchleuderten, fo gefchah das mit ernfter Berechtigung. Zum Schmucke, zur Belehrung, zur Erbauung waren anfangs die Bilder in die Kirchen eingeführt worden, bald aber ftellte unvermerkt die Bilderverehrung {ich ein. Die Ehrfurcht vor dem göttlichen und heiligen Wefen wurde auf das Abbild desfelben übertragen, das mit Kniebeugung und Weihrauch gefeiert ward. Da gab es Bilder, denen ein myflifcher Urfprung beigemeffen wurde, wie das Chriflusbild zu Edeffa, das die Legende dadurch entftanden fein liefs, dal's Chriflus fein Antlitz in eine Leinewand abgedruckt und die dem Könige Abgarus von Edeffa gefchickt habe. Schon vor dem Ende des 6. Jahrhunderts kamen diefe nnicht von Menfchenhand gemachtenm Bilder (äxeegozmlrjrog heifsen fie griechifch) an zahlreichen Orten des Reiches vor, vervielfältigten fich fogar auf wunderbare Weife; und mit diefen wetteiferten an Heiligkeit die Madonnen- bildniffe von der Hand des Evangeliflen Lucas, den fchon Berichte des 6. Jahr- hunderts zum Maler geftempelt hatten. Diefer Aberglaube hatte {ich ganz allmählich eingebürgert, war aber nach und nach zu folcher Höhe gediehen, dafs ernflere Geifler von feinen Aeufserungen erfchreckt wurden, und der Hohn der Muhamedaner, denen die verehrten Bilder in den Städten des heiligen Landes in die Hände fielen, nicht ungehört verhallte. Kaifer Leo III. der Ifaurier, ein ungelehrter Kriegsmann, der fich aus niederem Stande auf den Thron gefchwungen, erliefs im Jahre 726 fein Edict wider den Bilderdienft. Seine erften Schritte waren mafsvoll gewefen und hatten nur die Befeitigung des vorzugsweife Anflöfsigen im Auge gehabt, aber die Bewegung hatte einmal begonnen, er felbft und feine Nachfolger mufsten die volle Confequenz aus ihren Ueberzeugungen ziehen. Die Anfichten waren in den tonangebenden Kreifen getheilt, das Volk hatten die Bilderfeinde gegen fich, aber fie drangen, durch die Kaifermaeht unterPrützt, im Oflen durch; bewaffnete Scharen ver- nichteten die Heiligenbilder in den Kirchen Conflantinopels wie in den Pro- vinzen, die Maler, wie der Mönch Lasarzzs, wurden in die Gefängniffe ge- worfen und mifshandeltl). Nicht die Kunft follte unterdrückt werden; wir haben gefehen, welche Art mufrvifeher Decoration an heiliger Stätte zuge- laffen wurde. Aber diefe Krifis wurde immerhin für die Exiflenz und Ent- wicklung der Malerei in Byzanz verhängnifsvoll, welcher derjenige Inhalt ge- nommen werden follte, mit dem fie {ich feit Jahrhunderten vorzugsweife erfüllt hatte. In Italien aber drangen die Anfchauungen der Bilderfeinde nicht durch. Papft Gregor II. trat den Verordnungen des Kaifers entgegen, dem er die Autorität in Sachen des Glaubens abfprach, und hatte ydas Volk Italiens wie die abendländifehe Geifllichkeit auf feiner Seite. So wurde der Bilderftreit, Th eoph. con t.