60 ihrer Farbenpracht und der Kunst der auf ihnen gewirk- ten phantastischen Darstellungen. Die Beschreibungen von mystischen Thieren, Drachen, Löwen, Tigern u. s. w., die auf ihnen dargestellt waren, stimmen vollkommen über- ein mit demjenigen, was wir noch heute auf den Wänden von Ninive sehen. Nicht blofs in den Gegenständen, son- dern auch in der Art der Behandlung würden wir eine vollständige Uebereinstimmimg erkennen, wenn uns die Vergleichung noch möglich wäre. Die assyrische Skulptur hat sich offenbar innerhalb der Schranken bewegt, welche ihr durch ihren Ursprung vorgezeichnet waren, wenn auch der fremde Stoff neue Mittel des Heraushebens der Gegenstände aus dem Grunde gestattete. Es zeigt sich ein Ringen nach Naturwahrheit, dessen Grenzen nicht durch hierarchischen Zwang, son- dern, neben despotischem Hofceremoniell, besonders durch die Laune einer der Skulptur fremden Technik gestellt waren, deren Reminiscenzen noch fortwirkten. Die Hal- tung der Figuren ist steif, aber nicht zu blofsem Schrift- zeichen erstarrt, sondern nur gefesselt. In ihrem Zusam- menwirken sind sie schon oder vielmehr noch bildliche Bearbeitungen einer berühmten geschichtlichen That oder einer Hofceremonie u. s. w., nicht wie die ägyptischen Bilder, einfach die Mittel zur Verewigung eines F actums, gemalte Chronik. Auch in der Anordnung, zum Beispiel in der Beobachtung gleicher Kopfhöhen, zeichnen sie sich vor letzteren aus. Scharfe fadenumzogene Umrisse, hart ausgedrücktes Muskelwerk, Vorherrschen des ornamenta- len Beiwerkes und der Stickereien, zeugen von ihrem Ursprunge und von Uebertreibung, aber nicht von todter Manier. Die Köpfe zeigen nicht die geringste Spur