Giorgione. 297 nend, zu den Seiten vier Heilige, nach alterthümlicher Weise abgesondert stehend, unten drei musizirende Engel. Im Cha- rakter und Ausdruck zeigt sich hier jener sehwermüthig- grossartige Ernst, welcher Giorgione hie und da eigen ist; die Behandlung ist voll und breit, die Farbe tiefglühend. Eine heil Familie mit S. Sebastian und S. Catharina, mitl2. hoehpoetischer Landschaft, in der Galerie des Louvre, ist ebenfalls vorzüglich, doch noch etwas hart in den Umrissen. In einer Madonna der ehemaligen Leuchtenbergschen Galerie13. in München sie sitzt mit dem Kinde unter einem Lor- beerbaum erscheint das glühende Leben wiederum durch eine edle Strenge gemässigt. Uebrigens kommen die Bilder dieses frühverstorbenen Meisters im Ganzen selten vor; zudem sind die Fresken, welche er in Venedig gemalt hat, untergegangen. Am sel- tensten sind seine historischen Gemälde. Zu diesen gehört der Tod des Petrus Martyr, in der National-Galerie zu Lon- 14. don, ein weniger bedeutendes kaum für echt zu haltendes Bild; und ein Bild der Dresdner Galerie von anmuthvolllä. idyllischem Charakter, Jacob, welcher die Rahel begrüsst. Eine Anbetung der Hirten im Fitzwilliam-Museum zu Cam- 16. bridge steht dem letztgenannten Bilde in der Behandlung sehr nahe. Auch dürfte zu den Gemälden dieser Art ein sonderbares Bild VOI1 beträchtlichen Dimensionen rechnen 17. Z L1 sein, welches sich in der Akademie von Venedig beiindet, wohin es aus der Schule des heil. Nlarcus gebracht worden ist. Es stellt einen Seesturm dar, welcher im Jahre 1340 durch Dänronen erregt war und Venedig zu zerstören drohte, dessen Wuth aber durch drei Heilige besänftiget ward. Man sieht auf dem Bilde eine wild bewegte See und ein wild- segelndes Schiff, welches mit satyrähnlichen Teufelgestalten angefüllt ist. Auf einer kleinen Barke schiffen ihnen die drei Heiligen Marcus, Nicolaus und Georg, dräuend ent- gegen. Entsetzt stürzen sich die Teufel beim Anblick der Heiligen ins Meer; einige sitzen im Tauwerk des Schiffes, andre oben im Mastkorbe, wo Feuer ist und VOI1 WO Sich der Qualm über Himmel und See breitet. Ganz im Vor-