Carottö. 277 hohen Werth dieses Meisters kennen zu lernen. Er vvar in der Schule des Andrea Mantegna gebildet, aber er hat wenig mit der Auffassungsweise dieses Meisters gemein; er neigt sich vielmehr ebenfalls zu der Weise des Leonardo und dürfte vielmehr durch dessen Einfluss seine eigenthümliche Rich- tung erhalten haben; zugleich jedoch lässt sich, namentlich wiederum in den späteren Werken, eine eigenthümliche An- näherung an RafaePs Styl nicht verkennen, ohne dass der- selbe jedoch, wie wir bereits so viele Beispiele gesehen ha- ben, verderblieh auf den Künstler eingewirkt hätte. In seinen früheren Werken erscheint Carotto noch etwas befangen und der älteren Richtung (namentlich dem Girolamo dai Libri) verwandt. Seine schönste Entwickelung zeigt er in den Werken, welche in der Kapelle degli Spolverini, in 1. der Kirche S. Eufemia zu Verona, enthalten sind. Das Altar- gemälde dieser Kapelle stellt in der Mitte die drei heil. Erz- engel, und zwei weibliche Heilige auf den Flügelbildern dar. Die Köpfe der Engel sind von überaus mildem und edlem Ausdrucke (besonders der Engel Michael voll einer eigenen himmlischen Reinheit), auch die Oberkörper sind sehr schön, die Beine minder gelungen. Die beiden Weiblichen Heiligen sind mehr statuarisch streng und kälter im Ausdrucke. Auf einer Seitenwand dieser Kapelle hat Carotto die Geschichte 2. des Tobias al fresco gemalt; sehr anmuthig ist von diesen, ebenfalls vorzüglichen Bildern besonders das unterste, wo die Mutter des Tobias ihre Schwiegertochter umarmt, während Tobias selbst die Augen des blinden Vaters heilt. Leider sind diese Fresken zum Tlieil übermalt und sehr beschädigt. Carotto hat ein warmes, verschmolzenes Colorit, welches auf eigenthümliche Weise mit der strengen Zeichnung seiner Formen contrastirt.