484 Die Schule VOII Prag. Neben der Tafelmalerei stand auch jetzt die Miniatur-ma- lerei noch in hoher Blüthe, und namentlich lernen wir hier einen Künstler kennen, der in diesem Kunstzweige keinem seiner Zeit- genossen nachsteht, Sbisco von Trotina, Wie er sich in zwei auf uns gekommenen Handschriften und zwar auf den Bildern selbst als deren Maler nennt. Beide Codices werden in der Bibliothek des Vaterländischen Museums zu Prag bewahrt und sind für Per- sonen gefertigt, deren Lebenszeit das Datum der Arbeit feststellt. Der eine, ein Mariale für Erzbischof Ernst von Prag 1350] enthält nur zwei Blätter, die Darstellung im Tempel und die Ver- kündigung, aber mit Figuren von sechs Zoll Höhe und dabei von seltener Schönheit und Innigkeit. Der andere, ein s. g. Liber viatieus mit dem Namen des Bischofs Johann von Leutomischl, kaiserlichen Kanzlers, auf jedem Blatte bezeichnet, etwa um 1360 ausgeführt, hat zwar nicht so grosse Bilder, dafür aber in den Initialen einen Schatz von kleinen, kostbar in Deckfarben ausge- führten Malereien und am Rande einzelne Figuren in anmuthig- ster Zeichnung." Man entdeckt auch hier die Eigenthümlichkeiten der böhmischen Schule, namentlich das vollere Rund der Köpfe, aber doch sind die Verhältnisse länger, die Bewegungen und der Ausdruck sehr viel besser gelungen und besonders ist die Har- monie der Farben so schön, dass sie kaum von den Miniaturen der Eyckäschm Schule übertroffen wird. Die Tüchtigkeit der Böhmen in diesem Kunstzweige bewährt sich denn auch in zahl- reichen Arbeiten anderer Hand, wenn sie auch denen des Sbiseo nachstehen; so in einem andern Gebetbuche desselben Erzbischofs Ernst in der Bibliothek des Fürsten Lobkowitz in Pragät), in zwei Manuscripten des Domschatzes daselbst, einem Missale von einem gewissen Peter Brzuehaty gemalt und einem mystischen Commentar der Apokalypse von Wenzel Dortina mit zwar farb- losen, aber äusserst geistreichen Zeichnungen Dazu kom- men dann das s. g. Missale Ollomucensis im Stadtarchive zu Ü Nur von Waagen a. a. 0. erwähnt; bei meiner Anwesenheit und viel- leicht auch bei Passavanifs, da auch dieser es nicht nennt, konnte es nicht auf- gefunden werden. Weder von Waagen noch von Passavant genannt.