Zunehmender Naturalismus. 405 der Temperamalerei und dem durch sie bedingten Farbenauftrage nicht vollständig harmonirte, so dass in dieser Beziehung noch eine neue Erfindung erwartet werden musste, die dann bekannt- lich bald darauf den Brüdern van Eyck gelang und eine neue Epoche der Kunst begründete. Zum Beschlusse dieser Bemerkungen über die Miniaturen werden einige Notizen über die Preise derselben hier an ihrer Stelle sein. Blosse Manuscripte wurden für sehr geringe Summen gefertigt und verkauft; wir finden, dass der Graf von Savoyen für die Predigten des h. Augustinus im Jahre 1323 in Avignon den Werth von '22 francs und als Schadenersatz für ein Buch, welches seine Hunde in der Kirche St. Antoine zu Paris zerrissen hatten, den von 94 francs heutiger Münze bezahlte. Dagegen kosteten zwei Gebetbücher für Prinzessinnen desselben Hauses im Jahre 1366 das eine 649, das andere sogar 1497 francsit), und überhaupt rechnet man, dass ein nur mässig verziertes Evan- geliarium durchschnittlich auf etwa 700 fraues kam Reicher ausgestattete Manuscripte kosteten viel mehr. In den Rechnungen Philipps des Kühnen werden dem Buchhändler Jaques Raponde zu Paris einzelne von ihm gelieferte Bücher mit den enormen Summen von vier- bis sechshundert Goldthalern bezahlt und in dem Katalog der Sammlung des Herzogs von Berry ist ein Gebetbuch mit Malereien mehrerer namhafter im Dienst des Her- zogs stehender Maler auf 4000 Livres tournois geschätzt, wahr- scheinlich allerdings mit Einschluss der Perlen und Edelsteine des Einbandesiid-ak). Auch die weniger luxuriös, aber dafür mit einer grossen Zahl von Bildern ausgestatteten Manuscripte, wie etwa die Wahrscheinlich für Philipp den Kühuen gefertigte, eben- falls in Paris befindliche Bilderbibel mit ihren 5152 fein ausge- Cibrario Economia politica V01. III, ad ann. 1323, 1366, 1370. H") Leber, Mämoire sur Pappreciation de 1a fortune privee au moyen age, in den Mem. preis. ä Pacad. des inscr. I, se'rie I. a") Ob sich diese Notiz auf das 1409 vollendete, in der Pariser Bibliothek befindliche Gebetbuch bezieht (Waagen a. a. 0. III, 339), oder auf das vom Herzog von Aumale acquirirte (wie Waagen später in v. Quast Zeitschr. II, 231 annimmt], kann hier dahingestellt bleiben. Vergl. die Notiz des Katalogs bei Barrois a. a. O. pag. 99 und Nro. 586, und de Laborde, les ducs de Bourgogne I, pag. CXXI.