330 Deutsche Gothik. scher Vertiefung, begeisterten Aufschwunges und geheimniss- vollen organischen Lebens versagten die Mittel des künstlichen Steines, dagegen gaben sie leicht ein Bild von klarer Gesetzlich- keit, imponirender Grösse und Würde und eigneten sich für hei- tere Räume und buutfarbigen Schmuck. Wenn daher die Kir- chen denen der anderen Gegenden nachstellen, so sind die Welt- liehen Gebäude bedeutender; unter den Schlössern des Mittelalters nehmen die des deutschen Ordens in Preusscn, namentlich der unvergleichliche Bau von Marienburg, geradezu die erste Stelle ein, und Rathhäuser wie die von Lübeck, Rostock, Stralsund, Tangermünde, Brandenburg, Breslau u. a. finden sich in keiner andern Gegend so zahlreich. Unsere Rundschau beginnen wir mit Schlesieni"), weil es gewissermassen neutraler Boden ist, indem man hier zwar seit dem Ende des dreizehnten Jahrhunderts vorherrscheml in Ziegeln baute, aber doch so, dass die feineren Theile, lilaasswerk, F ialen u. dgl. in Sandstein ausgeführt wurden und das Material also nur auf die Gesammtform, nicht auf die Details bestimmend einwirkte. lm vierzehnten Jahrhundert kam Schlesien unter die Herrschaft des luxemburgischen Hauses, und die Regierung Karls lV. wirkte auch hier wohlthätig besonders auf die Hauptstadt Breslau, Die Mehrzahl ihrer Kirchen stammt aus dieser Zeit. Drei der- selben haben die Hallenform; so zunächst der obere Bau der Kreuzkirche, der, wie schon früher bemerktW-t), nicht gleichzeitig mit der im Jahre 1'295 geweiheten unteren Kirche entstanden sein kann, sondern das Gepräge des vorgerückten vierzehnten Jahr- hunderts trägt, dann die s. g. Sandkirche (Unserer lieben Frau auf dem Sande), endlich die Dorotheenkirche. Eine grössere Zahl hat dagegen niedrige Seitenschifle, so besonders die beiden grössesten Kirchen Breslaus, Maria Magdalena und St.Elisabeth, Ü Gute Abbildungen fehlen fast gänzlich. Nachrichten über die Alter- thiimer von Breslau geben, abgesehen von den älteren Schriften von Büsching u. A., Dr. Luchs, Fremdenführer, 1857; derselbe über einige Kunstdenkmäler von Breslau 1855, und Dr. Lübke in d. Zeitschr. fir Bauwesen 1860, S. 53 1T. Dazu kommt jetzt noch Dr. Weingärtner in der Zeitschrift des Vereins für schlesische Geschichte, Band III, Heft 1. "J Band v, s. 610.