310 Deutsche Gothik. stand dem Bau von 1356 an vor, und erlebte die Einweihung des Chores im Jahre 1386 so wie die Grundsteinlegung des Lang- hauses im Jahre 1392. Der Bau schritt 'also nicht sehr rasch vorwärts; zwischen dem Tode des ersten und der Berufung des zweiten Meisters liess man vier, zwischen der Einweihung des Chores und der Gründung des Langhauses sogar sieben Jahre verstreichen, und bei diesem war man noch nicht über die Fun- damente hinaus gekommen, als die hussitischen Unruhen aus- brachen, Welche den Bau für immer beendeten, so dass noch jetzt nur der Chor und ein einzelner luftiger Bogen des Kreuzschilfes ausgeführt sind. Der Plan rührt ohne Zweifel ganz von Matthias von Arras her, nur in der Ausführung findet das kundige Auge die Verschiedenheit beider Meister; der französische zeichnet einfach mit flacher Profilirung und sparsamer Anwendung von Laub- und Maasswverk, der deutsche hat seine Stärke in glän- zendem Detail und erlaubt sich diesem zu Liebe auch wohl ei- nen Verstoss gegen den Gesammtplanäk). Dieser ist ganz der bekannte der grossen französischen Kathedralen in bedeutenden Dimensionen, denen von Köln und Beauvais ähnlich, nur darin abweichend, dass die Pfeiler am Rundhaupte eine weitere Sie]- lung haben, nicht sieben Seiten des Zwölfecks, sondern fünf Seiten des Neunecks, daher auch nicht von sieben, sondern von fünf Kapellen umgeben, wie dies sich auch in Frankreich an den späteren Bauten finde???) Das Aeussere imponirt durch den rigkeiten der gewöhnlichen Annahme, dass sein Vater Heinrich nicht blos der Erbauer der Heiligenkreuzkirche zu Gemünd, sondern auch mit dem 1386 nach Mailand berufenen Meister des Dombaues identisch sei, vergl. Springer a. a. m] Ich gebe hier Gruebefs sachverständiges Urtheil wieder, während er für die weitere ästhetische Würdigung, bei der ich eigenen Eindrücken folge, nichß verantwortlich ist. i") Grueber, a. a. O. S. 218, schliesst aus einer Uebereinstimmung der Maasse, dass Matthias von Arras vorzugsweise den Kölner Dorn studin: habe, und hält die von diesem abweichende Anordnung des Rundhauptes für eine Aenderung des ursprünglichen Planes. Allein wenn nicht schon Amiens, gab Beauvais ganz dasselbe Vorbild wie Köln, und die Chor-anlegen der Kathedralen von Troyes und Tours so wie von St. Ouen in Rouen (Viollet-le-Due II, 342 und 344, I, 239) haben ebenfalls nur fünf Polygonseiten und fünf Kapellen, so- dass Matthias selbst sehr wohl auch diese weitere Pfeilersvellung angeordnet haben und doch ganz den Grundsätzen seiner einheimischen Schule gefolgt sein