Der T11 ur m b a u. 257 mit stärkeren Mauern ohne Maasswerk, also fast eben so ein-- fach wie der Unterbau gehalten, so dass erst mit der Gallerie leichtere Formen beginnen. Sehr viel schöner als dieser nordöst- lichste aller durehbrochenen 'l'hürn1e ist ein eben so weit nach Südosten vorgerückter, der der Kirche zu Strassengel in Steier- mark, ebenfalls in der zweiten Hälfte des vierzehnten Jahrhun- derts nnd zwar durch das Cistercienserkloster Rein, dem diese ehemalige VVallfahrtskapelle gehörte, erbaut. Er unterscheidet sich von jenen grösseren Thürmen dadurch, dass er, ohne vier- eckigen Unterbau auf einer Seitenkapelle des Chores stehend, gleich vom Boden in polygoner Gestalt anhebt und über dem Dache als volles Achteck in sehr einfachen, sogar noch mit dem Rundbogenfriese verzierten Stockwerken aufsteigt, über denen dann die höher angelegte Glockenstilbe mit den Giebeln ihrer zwölftheiligen Fenster den Kranz für den überaus leicht gehalte- nen Helm bildet. Das Ganze erreicht nur die Höhe von 148 Fuss, ist aber gerade in seiner bescheidenen Haltung von vollendeter Anmuth. Das Höchste in dieser Beziehung leistet ein anderes Werk der Cistereienser, das 'l'hürmchen, Welches der Laienbruder Georg von Sahnansweiler in den Jahren 1407 bis 1409 an der Klosterkirche zu Bebenhansen in Schwaben baute. Wirkliche Thürme sind bekanntlich den Cisterciensern untersagt, und der kunstreiche Mönch war daher angewiesen, nur einen s. g. Dach- reiter auf der Vierung des Kreuzes zu errichten. Daran hat er sich denn auch gehalten, sein 'l'hürmchen besteht blos aus der Glockenstube und dem I-lelm, beides zusammen 43 Fuss über dem Dachtirstc aufsteigend, aber er hat ihm durch kluge constructive Berechnung und durch die I-linzufügung von acht schlanken frei- stehenden Fialen, welche die Ecken der Gallerie stützen, bei voll- ster Durchsichtigkeit aller 'l'heile einen grösseren Umfang und eine Bedeutsamkeit zu geben gewusst, wie sie auch an viel mäch- tigeren 'l'hürmen nicht häufig ist. Endlich ist noch der T hurm zu T hann im Elsass zu erwähnen, der ungefähr gleichzeitig mit dem des Ulmer Münsters erbaut sein muss und erst 1516 vollen- det wurde, aber doch noch ziemlich reine Formen hat und durch seine leichte Erscheinung wohlthätig wirktt). 4') Vergl. über Esslingen und Bebenhausen (Ileideloßs) Kunst des Mittel- VI. 1 T