228 Deutsche Gothik. wendet, sondern eher verstärkt. Denn sie verkünstelteir den Geschmack und trugen auch ihrerseits dazu bei, den Sinn für die lebensvolle Gestaltung der dienenden Glieder zu schwächen und abzustnmpfen. Nach diesen allgemeinen Bemerkungen über die Eigen- thümlichkeiten der deutschen Schule haben wir ihr Verhalten einzelnen bei besonders charakteristischen Theilen zu betrachten. In Beziehung auf das Fenstermaasswerk habe ich schon be- merkt, dass die ältere Anordnung im Wesentlichen beibehalten und nur durch künstlichem, aber immer geometrisch strenge Ge- staltung der oberen Figuren modiiicirt wurde. Zunächst be- schäftigte man sich auch hier mit der Beseitigung jener dreiecki- gen Lücken, wobei denn die Verwandlung der Kreise in sphäri- sche Vierecke in Aufnahme kam, welche, indem man sie übereck stellte, sich sowohl der Innen- Te seite des oberen Bogens als fix dem Winkel der zwei von die- sem umfassten kleineren Ar- 1 V61] h l caden gut anfügten, so dass K die noch leer bleibenden Stel- l Km y l len entweder unscheinbar x den oder eine bestimmYei-le, l] i" s? r M ' 5 k A r l leichter ausznfüllende Gestalt i, X" K erhielten. Auf diese Weise {l l ( N _ entstanden, besonders in der Jjl ersten Hälfte des Jahrhunderts, l lÄ überaus schöne und klare Wiesenkirche in Soest. Maasswerkbildungen? für welche ich das Fenster der Chorwand in der Klosterkirche zu Bebenhausen in Schwaben (auch durch seine kolossale Grösse eins der bedeutendsten in Deutschland) als vorzügliches Beispiel anfilhren willät). Indessen zeigt sich schon an diesem übrigens musterhaften Fenster, wenn auch nur in der kleinen herzförmigen Figur zwischen den unteren 1') Vergl. die vortreffliche Monographie von Dr. H. Leibnitz, Supplement- heft zu Heideloffs Schwaben. Eine kleinere Zeichnung bei Kallenbach Atlas Taf. 51.