186 England. nicht einmal so gross wie die darüber befindlichen Fenster; das Mittelportal ist zwar grösser, zweitheilig, mit einem Giebel ver- sehen, der über die Grundlinie des grossen Fensters hinaus- reicht, aber um so mehr wird es von diesem sehr viel breiteren, und mehr als zwei Mal so hohen Fenster erdrückt. Ueberhaupt sind die Fenster so gewaltig, dass neben ihnen die vielen dünnen Stäbe und schmalen Nischen nur schwächlich erscheinen können, so dass im Ganzen auch diese unstreitig schönste Faeade Eng- lands eigentlich nur beweist, wie wenig sich die hiesige Kunst für diese Aufgabe eignete. Freilich trägt dazu auch der Umstand bei, dass sich die Thürme nur mit Einem sehr hohen, unverjüngten Stockwerke über den flachen Giebel erheben und dann plötzlich mit einer Ba- lustrade und acht winzigen Fialen abschliessen, schwerlich dem Plane des ursprünglichen Meisters entsprechend, welcher, indem er nach continentaler Weise die Thürme mit der Facade ver- schmolz, sie gewiss auch durch einen hohen und schlanken Helm krönen wollte, und dazu dieses kräftige Stockwerk anlegte, wel- ches jetzt in seiner abgestumpften Gestalt seinen Zweck verfehlt und schwer auf den unteren Theilen lastet. Denn auch darin zeigen die Architekten des decorirten Styles eine Hinneigung zu dem Systeme des Continents, dass sie die Thürme nicht des Helmes entbehren lassen wollten. Der normannische Styl hatte sich mit kurzen, schweren, rechtwin- kelig abschliessenden Thürmen begnügt, der frühenglische nur in einzelnen Fällen wirkliche Thurmspitzen versucht, der per- pendiculare gab sie wieder auf, und alle bedeutenden Anlagen dieser Art gehören der gegenwärtigen Epoche an. So der schlanke Mittelthurm der Kathedrale von N orwich , welcher dem normannischen Unterbau nach 1295, wahrscheinlich aber in lang_ samer Arbeit aufgesetzt wurde, und der von Salisbury, der höchste und schönste Englands, auf welchen der Architekt des dreizehnten Jahrhunderts so wenig gerechnet hatte, dass der des vierzehnten besonderer Unterstützungsmittel bedurfte; so ferner der der Kathedrale von Chichester, welcher dem letztgenannten, wenn auch mit sehr viel geringerer Höhe nachgeahmt scheint, dann die drei schon erwähnten Thürme von Lichlield und endlich der