84 Weltlebeu. beliebt wurde, und bei denen es wild genug herging, wie die bekannte Geschichte des unglücklichen Carl VI. beweist. Aber auch ohne solche besondere Veranstaltungen wurde jede Hand- lung der Fürsten und Grossen zu einem Volksfeste. Dahin ge- hörten Reichstage und Zusammenkünfte der Herrscher, die frei- lich, wie jener scheinbare Gerichtstag Kaiser Ludwigs von Bayern im Jahre 1338 zu Coblenz, oft wirklich nur Schauspiele waren, dann aber auch alle Familienfeste. Bei der Hochzeit des Markgrafen Waldemar von Brandenburg zu Rostock im Jahre 1310 belief sich allein die Zahl der zu Rittern geschlagenen Knappen auf 1700; die Menge der Herzoge, Grafen, Barone, der Ritter in goldglänzenden Rüstungen, der Edeldamen war un- zählbar, die Stadt konnte sie nicht fassen, es war daher ein Lager von scharlaehrothen Zelten aufgeschlagen; Wein, Bier und Meth flossen in Brunnen und selbst die Specereien, deren man zu den Mahlzeiten bedurfte, bildeten ganze Schiiiisla- dungen ü]. Noch viel pomphafter und geräuschvoller waren na- türlich die Krönungsfeste des Kaisers oder des Königs von Frankreich. Zu diesen ausserordentlichen und seltenen Festen kamen dann die Turniere der Rittergesellschaften , die Feierlich- keiten, mit denen die Städte den Besuch fürstlicher Personen oder frohe Ereignisse begingen, und endlich die grösseren Kir- chenfeste, Welche in Kathedralen und reichen Klöstern immer von prachtvollen Aufzügen, Schauspielen und anderen Ergötz- lichkeiten begleitet waren und daher auch durch diesen Reiz nahe und entfernte Gäste herbeizogen. Neben diesem Luxus bestanden in vielen Beziehungen noch sehr primitive, fast rohe Gebräuche. Bei Mahlzeiten wurden die Gäste in vielen Gegenden paarweise bedient, so dass zwei, und zwar häufig ein Herr und eine Dame, nur einen Teller und einen Becher hatten, woraus sich dann viele sorgfältig erlernte Regeln des guten Benehmens ergaben. Gabeln kamen zwar in diesem Jahrhundert mehr in Gebrauch, nachdem man sich bisher statt ihrer kleiner Messer bedient hatte, dagegen kannte man Ser- vietten noch lange nicht. Der Vorschneider zerlegte den Braten kunstgerecltt auf einem dazu bereiteten flachen Brodte, dessen Johannes Victorinus in Boehmer Fontes hist. germ. I, 367.