Taufbecken ZU Hildesheim. 797 Kessels enthalten ausser den Figuren der Apostel Petrus und Paulus nur die Taufe Christi in den drei, je eine Ab- theilung einnehmenden Gestalten Christi, des Täufers lmd eines dienenden Engels. Die Bewegung des Letzten ist kühn und nicht ungeschickt, und verräth jenes Streben nach dramatischem Ausdrucke, das sich in dieser Zeit in Deutschland häutig zeigt. Die Inschrift giebt zwar kein Datum, Wohl aber die Namen des Künstlers Gerhard und des Stifters Wilbernus. Um so reicher in symbolischer Beziehung und von be- deutend höherem künstlerischem Werthe ist das dem An- fange des dreizehnten Jahrhunderts zuzuschreibende Tauf- becken im Dome zu Hildesheim f). Der Wiederum cy- lindrische Kessel ruhet auf vier knieenden menschlichen Gestalten, welche Urnen ausgiessen, bekanntlich die vier Paradiesesfliisse. Ueber den Köpfen derselben sieht man an dem Becken selbst in Verbindung mit der Architektur, welche dasselbe in vier Felder theilt, die über einander angebrachten Medaillons der vier Tugenden, der vier gros- sen Propheten und der vier Evangelisten. Von den da- zwischen gelegenen Feldern zeigt das eine den Donatar, einen Domherrn, der zufällig wie der des Beckens von Osnabrück Wilbernus heisst, vor der Jungfrau kniend, die drei anderen geben die Darstellungen des Durchganges der Juden durch das rothe Meer, des späteren unter Josua durch den Jordan, und endlich der Taufe Christi. Auf dem Deckel ist (ohne Zweifel in innerer Verbindung mit dem Bilde der Jungfrau auf dem Votivbilde) der Hergang f) Vgl. eine Beschreibung und die bedeutungsvollen Verse der Aufschriften bei Kratz, der Dom zu Hildesheim, Th. II, S. 195, und eine jedoch sehr unbefriedigende Abbildung auf Taf. 12. Der Verfasser setzt die Entstehung in die zweite Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts, doch ohne überzeugende Gründe, da der Styl der Arbeit auf frühere Zeit schliessen lässt.