Decorative Sculptur. 781 überlassen gewesen zu sein. Der normannische Styl liebte auch bei solchen Veranlassungen schauerliche, schreckcnde Gestalten; hier dagegen erhalten wir nur den Eindruck eines heiteren, aber sinnreichen und anregenden Schmuckes. Zuweilen sieht man darunter die Gestalten von Bischöfen, Heiligen, Engeln, dann aber auch wieder abenteuerlich verhiillte Köpfe, lächelnde oder verzerrte Gesichter, und manchmal, wie es scheint, Studien des Leidenschaftlichen und des Charakteristischen. Die Gabe scharfer Beobach- tung des Lebens, dieusich später auf anderen Gebieten der englischen Kunst- so glänzend bewährt hat, regt sich schon hier. Zugleich aber sind diese Köpfchen meisterhaft gear- beitet, mit vollem Verständniss der Form und mit kluger Berechnung der Wirkung die Entfernung des Be- schauers, mit feinem Stylgefühl in der Benutzung des Raumes. Oft sind sie von idealer Schönheit, fast immer anmuthig und anziehend. Einige Male findet man in ver- schiedenen Gebäuden WViederholungen einzelner Köpfe und der Motive des WVechsels, so dass ein Zusammenhang und eine Mittheilung von Zeichnungen oder Modellen statt- gefunden haben muss, aber dennoch ist die lllannigfaltig- keit der Empfindungen und die Frische der Auffassung so gross, dass man über die Fülle von Geist, Talent und Gefühl erstaunen muss, die an diese meist übersehenen Arbeiten verschwendet ist. Fast keiner Kirche des früh- englischen Styles fehlen Sculpturen dieser Art, eine Auf- zählung Würde daher zweckwidrig sein, ich nenne nur aus der Erinnerung beispielsweise die schönen Kragsteine der Kathedralen von Wells und Worcester und die kleineren" Köpfchen in den Arcaden des Münsters von Beverley und der Kapitelhäuser von Lichiield und Salisbury. Steht daher die englische Schule der französischen und deutschen in der Ausbildung des kirchlichen und idealen Styles nach,