Sächsische Schule. 749 stellenden Figur stehend; dann auf der einen Seitenmauer Abrahamis Opfer, auf den; anderen Moses mit der ehernen Schlange und darunter Abel und Kain mit ihren Opfergaben, alles bekannte Symbole des Opfertodes Christi. Manche Züge in diesen Sculpturen entsprechen noch ganz dem Geiste und Style des zwölften Jahrhunderts; die rohe imd unförmliche Zeichnung an der Gestalt des jungen Isaac und an dem Widder, der zu seiner Vertretung im Gesträuche liegt, die iheftige Bewegung des Patriarchen Selbst, auch die Wahl der Gegenstände, die noch ganz dem Kreise altchristlicher Symbolik entnommen und ohne allen scholastischen Anflug ist, deutet auf eine frühere Zeit, und die architektonischen Details der Kanzel Würden es gestatten, sie um die Zeit der Vollendung der Kirche (1184) zu setzen. Dagegen zeigt sich in den Köpfen und in der Haltung der Körper ein so feines Gefihl für Schön- heit der Linie, für Naturwahrheit und Ausdruck, wie wir es in so früher Zeit nicht gewohnt sind. Schon die Christusgestalt, obgleich typisch und strenge, ist doch frei bewegt und von belebten, mehr als gewöhnlich individua- lisirten Gesichtszügen; besonders aber überrascht der Aus- druck der Innigkeit und des Schmerzes oder der Reue in den Köpfen und Bewegungen Abels und Kains. Auch Maria und Johannes haben eigenthümlich bewegte Gebehrde und freie Gewandmotive. Einen näheren Anhaltspunkt für die Zeitbestimnrung dieser Arbeit giebt ein zweites, bedeutender-es Werk, das in so grosser Stylverwandtschaft mit jenem steht, dass man beide einem und demselben Meister zuschreiben zu miissengeglaubt hat, die goldene Pforte zu Freibergöß]. m] Vgl. vollständige Abbildungen bei Puttrich a. a. O. Bd. I, Abth. I, die des Bogenfeldes in E. Förster, Denkmale deutscher Bau- kunst u. s. w. 1853, und die kritischen Bemerkungen von Waagen, in dessen K. und K. W. in Deutschland I, S. 7.