710 Glasmalerei. es Farben enthalten sollte, und benutzte jenen Farbstoff nur zur Hineinzeichnung der Details und der Schatten. Man entwarf zu diesem Zwecke, wie Theophilus lehrt, das Bild des ganzen Fensters auf einem dazu vorbereiteten Brette, schnitt dann die einzelnen Glasstücke, indem man sie auf jenes Brett legte, nach den durchscheinenden Um- rissen, bemalte und brannte sie, und verband sie endlich mit Blei zu einem Ganzen. Bei Ornamenten in der Ein- fassung des Bildes und in Gewändern oder bei Spruch- zetteln bestrich man auch wohl den ganzen Streifen mit jener Farbe und zeichnete dann die Verzierungen oder die Buchstaben mit dem Stiele des Pinsels hinein. Dazu kam nun noch, dass die damalige Glasfabrikatiorl nicht leicht grosse Tafeln gewährte, so dass der Maler grössere Felder derselben Lokalfarbe aus mehreren, oft sehr kleinen Stücken zusammensetzen und durch Blei yerbinden musste. Man gab deshalb auch selten historische Darstellungen von grossen Dimensionen, sondern brachte lieber mehrere kleinere an, oder richtete sich, wenn doch grössere Figuren gegeben werden sollten, so ein, dass die Verbindung durch Blei auf Theile traf, wo sie weniger auffiel, etwa auf den Gürtel oder auf tiefer beschattete Falten. Man liebte deshalb auch verzierte Gewänder und gab meistens teppichartige, nicht einfache Hintergründe, um die Farbenflächexl zu brechen und das Blei weniger auffallend anbringen zu können. Die Zahl der Farben ist ilicht gross, Blau, Roth und Grün, demnächst Gelb, auch wohl Violett, Grün und Braun. Farb- loses Glas ist wenig gebraucht und, obgleich schon an sich trübe, meist noch durch Itarbenaufstrich gemildert; am meisten kommt es in den Randverzierungeu vor. Gesichter und andere Fleischtheile sind zuweilen weiss, häufiger von einem gelblichen, lederfarbigen Tone. Bei dieser geringen Zahl von Farben war es durchaus