670 Deutsche VVandnzalerei. Hieran mag sich die Erwähnung einer andern, wenig- stens der Wandmalerei verwandten Arbeit anschliessen, welche in noch höherem Grade wie jenes Deckengemälde einzig in ihrer Art ist. Im Klosterhofe des Domes zu Magdeburg sieht man nämlich an den oberen Stock- werken des Kreuzganges mehrere Figuren, Kaiser Otto zwischen seinen Gemahlinnen Adelheid und Edith thronend, nebst dem 1012 verstorbenen Magdeburger Erzbischof VValdhard, und zwar in blosser Umrisszeichnung in den Mörtelbewurf eingeritzt Der Styl der Zeichnung deutet auf das dreizehnte Jahrhundert. Die Art der Ausführung gestattete allerdings keine feineren Züge, aber sie zeigt die Bandfestigkeit, den Muth und die bildnerische Lust dieses Jahrhunderts, welches alle Mittel und jede Stelle benutzte und überall keine nackten VVände duldete. Das grösseste VVerk deutscher Wandmalerei ist im Dome zu Braunschweig gefunden M], VVahrscheinlich war die ganze Kirche bemalt, da man auch an einzelnen Pfei- lern des Langhauses Gestalten oder Farbenspuren wahrnimmt; jedenfalls war der ganze östliche Theil der Kirche mit Malereien geschmückt, leider aber sind die der Chornische bei der im Jahre 1845 nothwendig gewordenen Erneue- rung ihres Gewölbes unerkannt zu Grunde gegangen, und im nördlichen Kreuzflügel nur einzelne Fragmente erhalten, Welche schon einer späteren Restauration anzugehören scheinen. Nur die Gemälde des Chorquadrates vor der Nische, des Gewölbes über der V ierung und des südlichen Kreuzarmes sind glücklich von der 'l'ünche befreit. Wir finden hier nicht, wie in den meisten bisher betrachteten Rosenthal Dom zu Magdeburg , Lief. Taf. Nro. M) Eine ausführliche Beschreibung giebt Dr. Schiller in seinem angeführten Werke über die mittelalterlichen Bauten Braunschwveigs, S. 26 47.