640 Deutsche Miniaturen. lebendig, die Reiter mit gesenkten Fussspitzen in guter, ritterlicher Haltung. Die Erfindung ist phantastisch keck, doch auf möglichste Verständlichkeit berechnet. Das rothe Meer ist wirklich dunkelroth gefärbt, die dreihundert Wölfe mit brennenden Schwänzen in der Geschichte des Samson sind Wenigstens durch sechszehn in vier Reihen aufgestellte Thiere repräsentirt, an denen die Flammen durch Weisse Streifen mit rothen Rändern dargestellt sind. Die Färbung ist im Anfange und Ende des Codex sehr leicht und oft graciös, in der Mitte voller aber schwerer. Tracht und Zeichnung lassen darauf schliessen, dass die Arbeit noch vor 1250 gefertigt sei Sehr anschaulich wird der Gegensatz zwischen der Zeichnungsmanier und den wirk- lichen Malereien, wenn Arbeiten beider Art in demselben Manuscript zusammenstellen, wie in dem grossen Antipho- nale des St. Petersstiftes zu Salzburg, wo die Federzeich- nungen als zart und geistvoll geschildert werden, während die auf planirtem Goldgrunde mit fetten Guaschfarben aus- geführten Gemälde ihnen nachstellen Bald nach der Mitte des Jahrhunderts trat indessen eine Veränderung ein, welche ohne Zweifel mit dem Auf- kommen des gothischen Styls zusammenhängt, aber keines- weges unbedingt vortheilhaft ist. Sowohl diese kecken, dilettantischen aber ausdrucksvollen Federzeichnungen, als die kräftige, harmonische Guaschmalerei verschwinden, und an ihrer Stelle tritt eine neue Manier, welche gewisser- maassen zwischen beiden die Mitte hält. Die mit festen, s] Vgl Waagen im deutschen Kunstbl. 1850, S. 148, von in so weit abweiche, als er die Jahre 1260 1280 annimmt. ich dem aß] Vgl. über diesen Codex, der nach ziemlich zuverlässigen, historischen Zeichen um die Mitte des Jahrhunderts entstanden sein muss, eine ausführlicha Beschreibung von G. Petzold im deutschen Kunstblatt, 1852, S. 301.