Hortus deliciarum. 629 giebt, durch ausführliche Beischriften erklärt, neue Gedanken. Die Anordnung des Werkes folgt der Bibel, beginnt mit der Schöpfung, geht von da durch das alte und neue Te- stament bis zum jüngsten Gerichte und schliesst mit phi- losophischen Betrachtungen. Wissenswerthes mehr welt- licher Art ist dann gelegentlich eingeschaltet; so wird bei dem Thurmbau zu Babel, als dem Anfange menschlicher Thätigkeit, von den sieben Künsten und den neun Musen gehandelt, beim Durchgange durch das rothe Meer ein Verzeichniss der Meere, Meerbusen und Flüsse, bei der Apostelgeschichte eine Aufzählung der römischen Kaiser, bei Erwähnung des himmlischen Jerusalems die Lehre von den zwölf vornehmsten Edelsteinen und ihrer mystischen Bedeutung vorgetragen. Sehr reich und neu ist die Ver- fasserin in symbolisch allegorischen Vorstellungen. Die Einheit des alten und neuen Testaments wird durch eine Gestalt rnit zwei Köpfen, der eine des Moses, der andere Christi, versinnlicht, die Heilung der Sünde durch die Geschichte eines sicbenfach Aussätzigen, der durch sieben- fache Busse Genesung erlangt, die fortdauernde Wirk- samkeit Christi in der Kirche durch einen" Weinkelter, in Welchem Christus steht, während alle Glieder der Kirche Trauben zuschütten. Nicht müde wird die Verfasserin, den Kampf mit dem Laster darzustellen. Da sieht man in einer Reihe von Bildern die Tugenden und Laster als bewaffnete Frauen mit einander streiten, dann Wieder erscheint der angefochtene Mensch als Ulysses, den die Sirenen locken. Besonders interessant ist die Darstellung der Himmelsleiter, die zu der Krone des Lebens führt. Ritter und Weltdame, Geistliche und Mönche mancher Art sind schon auf höheren oder niederen Stufen angelangt, werden aber durch die Lochungen der Welt, der Ritter durch Boss und Reisige, die Dame durch Kleiderpracht, der Priester durch Tafel-