Die Miniaturmalerei. 627 ohne oder mit geringer Schattirung Architekturen und Bäume sind noch eingetragen waren. immer conventionell gestaltet, die Hintergründe einfarbig, golden oder teppich- artig gemustert. Die Zeichnung der Figuren ist namentlich anfangs keinesweges correcter; die Füsse sind meistens zu klein, die Hände, besonders bei bedeutsamer Bewegung, oft zu gross, die Körper mager, die Bewegungen eckig und gewaltsam, die Gesichter von regelmässig ovaler Form mit sehr grossen Augen, geschwungenen Brauen, kleinem Munde, starken Backenknochen, gerader noch mit fast kalligraphischen Zügen gezeichneter Nase. Aber mehr und mehr macht sich ein Gefühl für Ordnung, Begelmäs- sigkeit und natürliche Bedeutung geltend. Die Linien werden fester und einfacher, die Falten der Gewänder weniger gehäuft, knapper dem schon besser verstandenen Körperbau angefügt. Der erstarrte Mosaikentypus wird aufs neue zu feierlicher Würde belebt. Der Gedanke tritt (leutlicher hervor, die herkömmlichen Momente der heiligen Geschichte werden ausführlicher charakterisirt, neue, bisher noch nicht dargestellte hinzugefügt, die ethischen Motive stärker betont. Allegorische oder aus dem Leben genom- mene Gegenstände werden mit Liebhaberei eingeschaltet, in dem den heiligen Schriften vorausgehenden Kalender werden immer häufiger neben den Sternbildern auch die genreartigen Scenen der häuslichen Beschäftigungen jedes Monats angebracht. Auch bei den Darstellungen aus der heiligen Geschichte haben die Nebenliguren schon oft das Kostüm der Zeit. Vor Allem regt sich der Farbensinn. In den zum kirchlichen Gebrauche oder zur Privatandacht vornehmer Personen bestimmten Manuscripten sind die Bilder in einer sehr sorgsam behandelten Guaschmalerei ausgeführt, mit pastos aufgetragenen, auf der Oberfläche geglätteten kräf- 4-0: