608 Gothischer Styl in Deutschland. Seiten des Zehneckes gebildet, hält daher mehr als die Hälfte eines Kreises, so dass er sich über das Maass sei- ner östlichen Oeffnung hinaus erweitert; eine sehr v0rtheil- haft wirkende Anordnung, die sich später in diesen Ge- genden öfter lindet und offenbar wie die rheinischen Chor- anlagen von Xanten und Oppenheim den Zweck hat, den Mangel des Chorumganges zu ersetzen und auch ohne ihn dem ClIOITHlIIDG eine freiere und luftigere Haltung zu geben. Auch das westliche Hauptportal ist ganz dem frühgothi- scheu Style entsprechend, reich profilirt und mit einem zierlichen Rankenornament als Kapital geschmückt. Da- gegen ist das Langhaus in schweren, düsteren Verhält- nissen angelegt, im Mittelschilfe 50, in den beiden Seiten- schiffen nur 26 Fuss hoch, mit niedrigen, theils vier-, theils achteckigen Pfeilern, welche durch weitgespannte, einfach und eckig gegliederte spitze Scheidbögen verbunden sind. Ihre Kapitäle, sehr einfach in Form einer Welle oder auch bloss cylinrlriseh gebildet, aber mit Rankenge- winden in flachem Relief, unter anderem mit Wein- und Eichenlaub in ziemlich freier Naturnachahmung verziert, tragen die schwer, aber doch meistens gothisch prolilirten Gewölbrippen. Der Anblick dieses Langhauses überrascht, wenn man es mit dem Gedanken an die Zeit seiner Ent- stehung betritt; man erwartet das leichte Aufstreben go- thischer Bauten, mindestens eine Stufe der Entwickelung, Wie sie sich in dem gleichzeitigen Bau von Chorin zeigt, und findet stämmige, gedrückte Pfeiler, breitgespannte, stumpfe Bögen, dunkle und niedrige Gewölbe, Formen, welche den Eindruck einer viel früheren Zeit machen. Al- lein bei näherer Betrachtung sind auch sie im Wesentlichen aus gothischen Elementen gebildet, und nur die Art ihrer Verwendung lässt sie so alterthümlich erscheinen. Es war für diese Gegenden noch eine Zeit des Suchens, man