Der Dom Zll Regensburg. 587 einmal über die Fluchtlinie der Aussenmauern des Lang- hauses hinaus, und öffnen sich nur auf der östlichen Seite zu einer kleinen, polygonen Nische, die auf eine kurze Strecke den Chor begleitet. Ofenbar ist also die Anlage der östlichen Theile zu beschränkt für die anspruchsvolle Breite des Mittelschiffes. Im Widerspruche damit hat nun aber der Meister den Versuch gemacht, die reichere An- ordnung französischer Chöre wenigstens anzudeuten und ihrer Wirkung nachzustreben. Er hat nämlich an der Chorwand die Doppelgeschosse der Fenster, welche dort durch den Umgang entstehen, olnie solchen beibehalten, zwei Fensterreihen übereinander gestellt, und sogar, wäh- rend die obere sich in der glatten Wandfläche befindet, die untere in die Vertiefung kleiner Nischen gelegt, welche durch einen am Eingange angebrachten durchbrochenen Spitzbogen noch bemerkbarer gemacht werden. Die Ober- lichter sind überdies durch ein darunter angebrachtes durch- brochenes Triforium vergrössert, um so die malerische Wirkung, welche bei der reicheren Anordnimg durch den Gegensatz des hellbeleuchteten oberen Geschosses und der besehatteten Räume des Umganges hervorgebracht wird, armähernd zu erreichen. Allein in der That ist dies Aus- kunftsmittel kein glückliches. Der einfache Polygonschluss gestattet, ja man kann fast sagen, fordert die Anlage grosser imd schlanker Fenster, welche durch ihre Licht- fülle dem Chore die ihm gebührende Auszeiclmung geben, lmd die Höhe des Raumes und das Princip des Aufstre- bens bedeutsam betonen. Man hatte daher auch da, wo das Langhaus niedrige SeitenschiEe und mithin doppelte Fensterreihen erhielt, im Chore diese hohen Fenster an- gebracht, wie dies noch neuerlich in Regensburg an der Dominicanerkirche mit günstigem Erfolge geschehen war. Der Meister des Domes verscherzte diesen Vortheil, olme