562 Gothischer Styl in Deutschland. zweiter Hand empfangen wollte, die anderen sächsischen Bauten gothischen Styles folgten dieser Richtung nicht, sondern scheinen eher aus unmittelbar französischen Stu- dien, wenn auch Wiederum mit manchen Dlodificationen, hervorgegangen zu sein. Auch zeigen sie, selbst in nächster Nachbarschaft, grosse individuelle Xierschieden- heiten. Zu den frühesten gothischen Bauten in Sachsen gehört die Cistereienserkirche zu Pforta (Schulpforte) bei Naum- burg Die Gebäude dieses Klosters geben im Kleinen eine Baugeschichte vom Ende des zwölften Jahrhunderts an. Der Kreuzgang ist überwiegend romanisch, mit spitz- bogigem Gewölbe, aber mit runden Arcaden auf viereckigen Pfeilern mit eingeblendeten Ecksäulchen. Eine abgesonderte Kapelle, die sogenannte Abtskapelle, hat schon weiter ent- wickelte Ucbergangsformen, rundbogige oder kreisförmige Fenster, den liundbogenfries und Lisenen, aber Rippen- gewölbe auf Säulenbündeln, welche schon ein Gefühl für die Betonung des verticalen Princips zeigen. Die Kirche endlich ist entschieden gothisch und zwar mit ganz anderer Auffassung wie in der hessischen Schule. Sie hat zwar noch wie die älteren Cistercienserkirchen Pfeiler viereckigen Kernes von wechselnder Stärke, an welchen im Langhause Kragsteiile die quadraten Gewölbe tragen, aber die Bündel- pfeiler und das Maasswerk der zweitheiligen Fenster im dreiseitig aus dem Achtecke geschlossenen Chore gehören schon dem neuen Style an, das ganze Gebäude ist mit Strebepfeilern bewahrt, und das Oberschiff, schlank über die niedrigen SeitenschiHe aufsteigend, wird von kühn ge- schwungenen Strebebögen gestützt. Der Chor wurde, wie die darin befindliche Inschrift bezeugt, im Jahre 1251 be- gonnen; eine Weihe erfolgte im Jahre 1268, und nur die ü) Puttrieh a. a. O. Abth. II, Baud l.