Stiftskirche ZU Wimpfen. 553 gemacht hatten, sondern der Ruf von der Schönheit und von den technischen Vorzügen dieses Styles war auch Schon so gewachsen, dass die Bauherren ihn verlangten, und die Arbeit nur solchen Meistern anvertrauen Wollten, die in ihm erfahren Waren. Es ist sehr merkwürdig, dass man sich dabei völlig bewusst war, dass der Styl aus Frankreich stamme. Richard von Ditenstein, Dechant des ritterlichen Stiftes Wimpfen im Thale am Neckar während der Jahre 1262 1278, liess die alte und baufallige Kirche abbrechen und eine neue erbauen; einer seiner Nachfolger, der schon im Jahre 1300 starb und folglich sehr genau unterrichtet sein musste, erzählt diesen Hergang in seiner Chronik und bemerkt, dass Richard zu diesem Zwecke einen Baumeister, der erst kürzlich aus Frankreich und namentlich aus Paris gekommen, herbeigerufen habe, um sie in französischer Arbeit auszuführen. Das Werk, fügt er hinzu, innen und aussen mit Bildsäulen von Heiligen, an Fenstern und Säulen mit erhabener Arbeit kostbar ge- schmückt, sei von dem von allen Seiten herbeiströmenden Volke bewundert worden und habe dem Künstler Ruhm verschafft Die Kirche besteht noch und ist in reinem gothischen Style und in edlen Verhältnissen gebaut, mit zierlichem Laubwerk an den Kapitälen und mit, wenn auch m) F. H. Müller hat das Verdienst, in seinen Beiträgen zur deut- schen Kunst und Gesehichtskunde Bd. I. S. 73 zuerst auf diese, in BurehartPs de Hallis Chronicon bei Schannat Vindemiae litterariae II, P- 59 abgedruckte Stelle aufmerksam gemacht zu haben. Sie lautet: Monasterium nimia vetustate ruinosum diruit, accitoque peritissimo ar- Chitecturae artis latomo, qui tunc noviter de villa Parisiensi e partibus venerat Franciae. opere Francigeno Basiiicam ex sectis lapidibus eonstrui jussit: idem vero artifex mirabilis Basilicam, iconis Sanctorum intus et exterius ornatissime distinctam, fenestras et columnas anaglici (ohne Zweifel für anaglyphi) operis multo sudore et sumptuosis fecerat ßxpensis, sicut usque hodie apparet. Populis itaque undique adve- nientibus, mirantur tam opus egregium, laudant artificem, venerantur Dei servum Richardum etc.