476 Früheste gothische Bauten in Deutschland. genügend zu stützen, Studien des französischen Strebe- systems und dadurch auch die Aufnahme der hohen Maass- werkfenster veranlasst. Während die bisher erwähnten Gebäude ungeachtet mancher Einzelheiten des gothischen Styles das Gepräge des deutschen Uebergangsstyles tragen, dessen Mannigfal- tigkeit durch diese neuen Elemente nur vermehrt wird, nahmen die Dinge nun eine andere Gestalt an. Es fanden sich Meister, welche nicht bloss Einzelnes, sondern die tiefere Bedeutung des neuen Systems aufgefasst hatten und zur Geltung brachten. Noch in demselben Jahre 1227, in welchem das Kuppelgewvölbe von St. Gereon geschlossen wurde, begann der erste Bau in wirklich gothischem Style, die Liebfrauenkirche in Trier. Der gesteigerte Ma- riencultus dieser Zeit begnügte sich nicht damit, der hei- ligen Jungfrau Altäre in den bestehenden Kirchen zu er- richten oder ihr diese Kirchen selbst zu widmen, sondern verlangte eigene Gebäude für ihren aussehliesslichen Dienst, Welche dann neben den Weiten und ernsten Hallen der Hauptkirche als besondere Kapellen oder kleinere Kirchen errichtet und ihrem Zwecke gemäss möglichst anmuthig und reich ausgestattet Wurden. Eine solche wurde nun auch dem alten Dome zu Trier, den wir als eine Stätte fortdauernder lebendiger Bauthätigkeit schon kennen gelernt haben und der uns schon feste Daten für den Beginn und die weiteren Fortschritte des Uebergangsstyles gewährt hat, angefügt In England und Frankreich pflegte man g) Schmidt, a. a. O. Lief. 1, dessen Text und Abbildungen hier überall als Quelle gelten, nimmt S. 13 auf die Autorität der Heraus- geber der Gesta Trevirorum an, dass die Liebfrauenkirche nur eine Erneuerung einer älteren Marienkirche auf derselben Stelle sei. Allein die Urkunde vom Jahr 1243, auf welche sich diese Annahme stützt, rechtfertigt sie nicht. Der Erzbischof von Köln bewilligt in derselben die Sammlung von Beiträgen für die ecclesia beate Marie Virginis glo-